Tagebuch

Auftritt in Wunsiedel am 22. Februar 2008

Keine Kommentare | Wellküren am 28.02.2008

Wir waren schon etwas früher da. So am Nachmittag. Wir waren ja direkt von Erbshausen, dem Veranstaltungssort vom Vortag, nach Wunsiedel gefahren. So waren wir so dermaßen früh in Wunsiedel, dass wir die allerbesten Absichten hatten, Wunsiedel und die Wunsiedler etwas näher kennen zu lernen, bevor diese uns am Abend kennen lernen sollten. Wir waren also da. Wir schon – aber kein einziger Wunsiedler! Nicht einer! Nicht auf der Straße. Nicht im Café. Nicht beim Einkaufen. Nichts, nirgens! Am hellichten Freitag Nachmittag! Kein Kind, ja nicht mal eine Rentnerin! Da ist es uns direkt ein bisserl unheimlich geworden. Man hört ja so einiges von Verödung ganzer Landstriche, von Cluster-Bildung im ländlichen Raum, von der Aufgabe ganzer Regionen, von Geisterstädten im Osten, vom Aussterben Europas, vom Ende. Aus, Äpfi, Amen! Sollte es das gewesen sein? Hier in dieser beschaulichen Kleinstadt, mitten in einer wunderschönen bayerischen Landschaft? Vorbei? Warum waren wir dann hier? Lost in Wunsiedel? Ahhh, die SPD hatte uns hier her geholt ... jetzt wurde uns Angst und Bange. Sollte am Ende der letzte überlebende bayerische Sozi – ähnlich wie Will Smith im Science Fiction “I am Legend” – hier in der ausgestorbenen Stadt sein Unwesen treiben, völlig vereinsamt, mit einem räudigen Hund durch die verlassenen Gassen irrend? Hatte er uns gebucht, um seiner verzweifelten Einsamkeit für ein paar Stunden zu entkommen? Wir sahen uns verängstigt um. Alles ruhig. Niemand zu sehen. Wir nahmen all unseren Mut zusammen und machten uns auf den Weg zur Fichtelgebirgshalle, hier sollte der Auftritt eigentlich stattfinden, wir waren jetzt wirklich auf alles gefasst ... Und was mussten wir dort feststellen? Alle waren sie da! Komplett! Kein einziger fehlte! Die gesamten Bewohner von Wunsiedel! Mindestens 300 Stück! Etwas wenig vielleicht für diese Stadt, aber allemal genug, um die Halle richtig in Stimmung zu bringen. Die hatten uns vielleicht einen Schrecken eingejagt, die Wunsiedler! Wir waren dann so erleichtert, dass der Abend richtig ausgelassen und befreiend wurde. Und ganz am Schluss haben wir von Michael Flood (das ist der SPD-Bürgermeisterkandat von Wunsiedel, der aber überhaupt keinen räudigen Hund hat und ganz so einsam nun auch nicht wirkte) 3 Packs “Erotikbier” überreicht bekommen, das hier in Wunsiedel gebraut wird. Erotikbier? Ja, vielen Dank! Aber das sollten sie hier in Wunsiedel doch lieber selber saufen! Damit’s wieder mehra wern! Es wär nämlich wirklich schad drum, wenn’s aussterben würden ... 


Die gesamten Einwohner von Wunsiedel – ausnahmslos alle bei uns!

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