Tagebuch

Auftritt in Peissenberg am 8. Oktober 2010

Keine Kommentare | Wellküren am 13.10.2010

Viel zu spät, aber dennoch: Unser Tagebucheintrag vom Auftritt in der Peissenberger Tiefstollenhalle. Neben dem Publikum möchten wir vor allem dem netten Veranstalter danken, der auf seinem iPhone einige Eindrücke vom Abend für uns auf Video mitgeschnitten hat. Und vielen Dank auch an Dorothe Fleege vom Weilheimer Tagblatt / Münchner Merkur, die eine so schöne Kritik dazu verfasst hat.

Das Well-Gen als Garant für hochmusikalisch-bissige Unterhaltung

Da stehen sie also und können nicht anders, mit Tuba, Saxophon und Posaune. Sie haben so einen ganz eigenen Magnetismus, die Moni, die Burgi und die Bärbi. Und nach dem ersten Lied, in dem sie alle, die es tatsächlich immer noch nicht wissen, im Detail über ihre Familienverhältnisse aufklären, würde man selber irgendwie gerne mal in dieser Familie, diesem unnachahmlichen Gesamtkosmos „Well“, mitmischen. Seit 24 (in Worten: vierundzwanzig!) Jahren steht das Triumvirat „Wellküren“ auf der Bühne, offenkundig ohne geringste Ermüdungserscheinungen. Sauber, frauenfreundlich, geburtenstark machen sich die drei als „Beste Schwestern“ über die Zukunft des schönen Bayernlandes in Zeiten der Krise her. Das loseste Mundwerk hat auf dieser musikalischen Ret-tungsrutschpartie zwei-felsohne die Moni, die wie eine Art Meister Propper der Volksmusik mit blitzartigem Tempo spricht, wischt und sich mit unbremsbarer Ener-gie schon fast um Kopf und Kragen spielt. Burgi und Bärbi wirken da - vorder-gründig betrachtet- zunächst beinahe sanftmütig, meint der noch ahnungslose Gast zu Beginn. Ihr Heimatdorf Oberschweinbach inklusive seiner 800 Einwohner haben sie schon sauber aufge-räumt und auf Kurs ge-bracht, jetzt streben sie nach höheren Zielen. Als stets wichtigstes Rüstzeug in allen Lebenslagen haben sie ihr Patenrezept dabei: Stubenmusik. Mit Stubenmusik lässt sich alles kurieren, von Pubertät bis Wechsel. Und schon schwubbern sie los an Harfe, Gitarre und Hackbrett, aber nicht zaghaft sülzend und introvertiert, wie manch eine dirndlgewandete, face-geliftete holde Maid beliebter Fernsehshows, sie langen schon gescheit hin, sind nicht allzu zart besaitet. Und das ist eines ihrer weiteren Markenzeichen der Extraklasse: urmusikantisch und im vollen Saft haben sie Mu-sizierlust und Leidenschaft, durchaus auch leise Töne und sanfte Klänge können sie sich zu Eigen machen, aber ihre Hochburg ist kraft-volles, authentisches Musi-zieren und zwar ohne Schnicklschnackl.
Was der Moni so vorschwebt, ist schnell auf den Punkt gebracht, das Amt als bayerische Ministerpräsidentin ist so recht nach ihrem Gusto. Mit der einzig wahren „Schwesterpartei“ im Nacken kann da doch eigentlich nichts schief gehen. Strate-gische Ratschläge sucht sie sich vorsichtshalber mal gleich bei den wirklich hohen Tieren, Hillary Clinton und US-Präsident Obama - Ba-varia is ready for change! - stehen ihr als Berater da auch gut zu Pass. Zwischendurch streifen die drei Wellküren auf ihrem wogenden Ritt durch den weiblichen Alltag noch die zentralen Themen wie: was kochen, was anziehen, wie sieht der Traummann aus, Kopftuch oder Kappi, was tun mit der unreinen Haut von Westerwelle und Koch, wie viel Standhaftigkeit wird der 3. Jackettknopf von Kanzlerin Merkel noch brauchen? Und sie reiten da in einem zügellosen Tempo, in zensurfreier Ungehemmtheit und verschießen ein Feuerwerk aus Spaß, Slapstick, Wortwitz und bitterböser Sozialkritik. Sie plänkeln und schäkern und wenn sich beim Publikum im voll besetzten Saal gerade so ein amüsiertes Schmunzel-Sicherheits-Gefühl einstellen will – womms! – dann hauen sie so richtig drauf. So, dass es schmerzt, vor allem für den, der die Salve ab bekommt, allerdings meistens nicht im Saal sitzt. Scho-nungslos sagen sie dann das, was sich zwar der hinlänglichen Schicklichkeit entzieht, aber unzweifelhaft in vielen Köpfen schon lange mal gedacht worden ist. Als Beweis gibt es zustimmende Lachsalven gemischt mit leichtem Atem anhalten, bei einigen Zuhörern bildet sich dann auf der Stirn eine Art: boah, die trau’n sich was… .
Sie sind natürlich Frauen-versteherinnen, die Moni, Burgi, Bärbi. Kabarettistinnen sind sie auch, Schauspielerinnen sowieso, Erfin-derinnen des Nonnentrompeten-Trios noch dazu. Man lacht, dass sich die Bauchmuskeln zusammenkrampfen, und man darf vor allem eines: sich - last but not least - über ihren Dreigesang freuen, denn der ist vom Feinsten und wäre allein schon ein rechter Genuss. Wer ko, der ko!
(Dorothe Fleege für Weilheimer Tagblatt / Münchner Merkur Peissenberg am 8.10. 2010)

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