Tagebuch

Auftritt in Gerstungen am 12. März 2010

Keine Kommentare | Wellküren am 17.03.2010

Neben unserer Veranstaltung im Philipp-Melanchthon-Gymnasium findet man auf der Homepage der Gemeinde Gerstungen unter anderem den Hinweis auf den “nächsten Motorsägenlehrgang im April” und die Meldung, dass der “Arbeitskreis Heimische Orchideen Schafe sucht” (für die Beweidung von Grünland in einer Festkoppel) ... “Glückliches Gerstungen!“, möchte man da ausrufen. Ein wahrer Sehnsuchtsort! Idyllisch gelegen in einem von Orchideen überwucherten Auenland, in dem der Umgang mit Motorsägen noch völlig unbekannt ist – und demzufolge erst noch erlernt werden muss. Ein Naturparadies für Romantiker, die nach einem Schäferstündchen im Grünen abends dann Kultur genießen ... Ganz so haben wir Gerstungen am letzten Freitag allerdings nicht erlebt. Wenn wir unsere Eindrücke mit drei Worten beschreiben sollten, dann hießen diese eher: Soli, Kali, Stasi. Wir waren das letzte Mal vor etwa 15 Jahren hier – und im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden in Thüringen könnten die Landschaften rund um Gerstungen schon ein bisserl stärker blühen. Aus Sicht von uns drei Südwessis hätten die Gerstunger bei der “Soli”-Verteilung schon etwas gerechter bedacht werden können. Irgendwie ist das hier immer noch etwas stiefmütterlich behandeltes Zonenrandgebiet. Und da sind wir auch schon bei “Kali”. So eine Sauerei! Das benachbarte K+S Kaliwerk verklappt seine 2 Mio Kubikmeter Salzlauge pro Jahr ohne Skrupel einfach direkt in die Werra und in den Gerstunger Untergrund – mit unabsehbaren Folgen für den Boden und das Trinkwasser. Alles unter dem Schutzmantel des klassischen Erpresser-Argumentes “Umwelt oder Arbeit”. Pfui-Deifi! Fehlt also nur noch “Stasi”. Das ist erfreulicher Weise eine lustige Geschichte. Das Philipp-Melanchthon-Gymnasium, in dem wir an diesem Abend spielen durften, ist nämlich in einem ehemaligen Staatssicherheits-Gebäude untergebracht. Bei all dem Kali und Soli haben die Gerstunger ihren Humor also noch nicht verloren. Das durften wir an diesem Abend live erleben.



Impressionen aus dem Gerstunger Philipp-Melanchthon-Gymnasium ...

Hier die Kritik aus der Thüringischen Landeszeitung:
TLZ_Gerstungen.pdf

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