Pressestimmen

Sueddeutsche Zeitung vom 15.11.2008

Wisching Well, Die drei Wellküren fegen durchs Gautinger Bosco

Gauting “Schaut richtig nach Kultur aus”, fand die Moni, nachdem die drei Wellküren am Donnerstagabend die Bühne des Bosco betreten hatten, “und auch schee dekoriert, net zvui.“ Bei ihrem letzten Gautinger Auftritt gab es noch kein Kulturzentrum in der Ortsmitte, so lange ist das schon her. Da sieht es in Oberschweinbach, bekanntermaßen der Herkunftsort sämtlicher Well-Formationen, natürlich ganz anders aus. Vermutlich gibt es da eine Kulturbeauftragte, vermutlich heißt sie auch Well, so wie die Frauenbeauftragte (Burgi) und die Kinder- und Jugendbeauftragte (Bärbi), die beide mit ihrem übergroßen Einsatz bereits für Frauenparkplätze vor der Günzenhofener Kirche und für das Steigen der Geburtenrate im Ort gesorgt haben. Moni dagegen kümmert sich nach wie vor als Tupperberaterin darum, dass die Eintopfreste in Oberschweinbach nicht im Schweinbach landen. Außerdem hat sie mal so ganz nebenbei die Putzgeschichte revolutioniert: Ihr multifunktionales Wischtuch “Wisching Well”, jedes ein einzeln bei Vollmond im Feng Shui ausgependeltes Exemplar, dient zudem als Bühnenschweißtuch oder als Wonderbra-Verstärker.

“Wellküren Forever”, heißt das aktuelle Programm, und diesem Wunsch kann man sich nur anschließen. Seit 22 Jahren tourt das Trio nun durchs gesamte Land und fegt dabei mit einer Kraft über die Bühnen, dass das Wisching Well jedes Mal im Anschluss zum Einsatz kommen könnte. Im Handumdrehen werden auf der Bühne aus knappen Dirndl elegante Abendkleider, Dialoge schlagen Salti, und zum krönenden Abschluss gibt es eine bayerische Polittragödie in Form eines Stubn-Musicals.

Apropos Stubnmusi: Die zieht sich wie ein roter Faden durchs gesamte Programm. Einst rieten Vater und Mutter Well, Eltern einer ansehnlich großen Kinderschar, zur Stubnmusi mit den Worten “Madln, lernt"s a Saitninstrument, spuilt"s Stubnmusi, dann braucht"s koa Empfängnisverhütung.“ “Da hamma uns dacht”, fügt Moni hinzu, “die werden"s scho wissen.“ Die Verhütungstheorie scheint noch unbewiesen, aber in musikalischer Hinsicht war die Entscheidung absolut richtig. Ob sie nun klassisch mit Hackbrett, Gitarre und Harfe spielen oder auch mal Stubnmusi mit “dem schweren Blech” probieren, es klingt einfach immer atemberaubend schön. Erstaunliche Harmonien verstehen die drei auch ihren oft ungewöhnlichen Instrumenten zu entlocken, beispielsweise den sogenannten Nonnentrompeten. Diese mit einer einzelnen Saite ausgestatteten Streichinstrumente mit Trichter stammen aus einer Zeit, “als Nonnen noch keine Blasinstrumente spielen durften”, sagt Moni.

Die Wellküren trügen ihren Namen zu Unrecht, wenn sie nicht auch in politischer Hinsicht auf das “schwere Blech” hauen würden. Bundeskanzlerin Merkel bekommt dabei ebenso ihr Fett ab, sprichwörtlich gar - “Der dritte Knopf in der Hosenanzugsjacke lebt gefährlich” -, wie der neue bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer.

Die Wellküren - eine bessere Alternative aller Desperate Housewives. Wellküren forever! SABINE ZAPLIN

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Sie sind sich treu geblieben, die “Wellküren”, auch im “Wellness”-Programm. Doch das Lifting und Relaxing hat ihnen, allem Spott zum Trotz, auch gut getan, sie wirken tatsächlich entspannter und dadurch frecher, spitzer, direkter. Das ist selbst der guten alten Stubnmusi anzuhören, die sie immer wieder zur Geltung bringen, nicht zuletzt, weil doch die Eltern damals geraten haben: “Lernt’s a Saiteninstrument, Madln, und spuit’s a Stubnmusi, des is die beste Empfängnisverhütung.

(Süddeutsche Zeitung v. 28. Januar 1999)

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