Pressestimmen

Miesbacher Merkur vom 30. Oktober 2006

Wenn’s dunkel wird in Oberschweinbach

Die Wellküren liefern herrlich freche Einblicke in Familien-Welten und Dorfleben.

Miesbach • So läuft’s in Oberschweinbach: um den Nachwuchs zu sichern, wird einmal die Woche der Strom abgeschaltet. und für hartnäckige Staubreste gibt’s “Blue Wonder”, dieses Wahnsinns-Staubtuch. Die Geschichten aus der Provinz gedeihen im Jargon der Wellküren zu einem poetisch-musikalischem Frontalangriff auf die Lachmuskeln, wenn sie ihre Heimatgemeinde beschreiben oder vom Leben erzählen, das sich zwischen der Mikrowelle in der Bauernstube, den drei Frauenparkplätzen und dem Kirchhof abspielt. Klischees werden um drei Ecken gejagt, bis sie als originelle Mixtur aus Musikantenstadl-Parodie und genialer Satire daherkommen. Dem Publikum in der ausverkauften Miesbacher Stadthalle bescherten sie Well-Schwestern Burgi, Bärbi und Moni einen von Pointen und darstellerischen Höchstleistungen strotzenden Abend.

Für ihr Programm “Stubenmusik macht süchtig” gaben sich die Wellküren mal verschroben und brillant absurd, mal hautnah an der Realität; ihre Liedtexte streifen Familie, Dorfleben und Politik. Verpackt sind die Botshcaften in Gstanzln und Volksmusik-Stücken. Der Gesang trifftg harmonisch präzise und beeindruckt nicht nur durch pointierte Texte, sondern auch durch musikalische Stringenz.

Dazwischen gibt es Geschichten, bei denen sich die drei Wellküren manchmal erquickend uneins sind. Schnell gleitet der Dialog mit dem Publikum hinüber in ein eaxakt inszeniertes Theaterstück, in dem jede der drei Damen ihre Rolle spielt. Was davon einstudiert und was improvisiert ist, ist eine der wenigen Fragen, die an diesem Abend ungeklärt bleiben. Insbesondere Moni kann einen Wortschwall sondersgleichen entwickeln, der nichts auslässt – weder die Alterspyramide noch dankbare Stroiber-Zitate und innerfamiliäre Konfliktherde. Ihr Redetalent ist kaum zu stoppen, nicht einmal von ihr selber: “i bin ins Kloster g’angen und hab a Schweigegelübde abg’legt. Der Wille war da. Aber nach einer Woche ham’s mich rausgschmissen.“

A-Capella-Melodien begleiten das herrlich respektlose “Wochenend im Altersheim”, während in Oberschweinbach nach wie vor Notstand herrscht: “Wenn der Bo-Frost ned zwei Mal in der Woch kemma dad, dann warn mir scho verhungert.“

Mit viel Applaus honorierte das Publikum nicht nur die Leistung der Wellküren, die als Zugabe ihre Mutter zu einem gemeinsamen Stück auf die Bühne holten. Mit Ovationen bedacht wurden auch Feuerwehrler Stefan, der bei der internen Partnervermittlung mit der Moni tanzte, und die drei Herren, die sich zur Zugabe als Bühnenbild zur Verfügung stellten. Vor den Wellküren ist halt niemand sicher.

TOBIAS ÖLLER

Nächste Pressestimme: Von Bärenmördern und silbrigen Schleimspuren
Vorige Pressestimme: Wellküren pendeln boarisches nach Feng-Shui aus

Artikelübersicht

Zitat

Sie gehören derzeit zu den Besten der deutschen Kleinkunst-Szene: Die Wellküren. In Kissing bewiesen die Schwestern ihre Klasse.

(Friedberger Allgemeine v. 25. Juli 2000)

Alle Pressezitate