Pressestimmen

Fränkischer Tag vom 20. November 2006

Wellküren pendeln boarisches nach Feng-Shui aus

KABARETT • Nicht nur „Stubenmusik macht süchtig“. Die Schwestern Burgi, Bärbi und Moni der „Biermösl Blosn“ Hans, Michael und Stofferl Well begeisterten in Röttenbach ihr Publikum mit allerhand „Heiligenverehrung“.

Röttenbach • Sie halten es nur eine halbe Stunde im Dirndl aus, die Wellküren. Dafür lassen sie über zwei Stunden nichts von dem aus, was Bayern aus- oder eben nicht ausmacht. In der Lohmühlhalle bewiesen Burgi, Bärbi und Moni Well am Samstagabend, dass Stubenmusik süchtig macht, wie sie ihr Programm betiteln, und schwadronierten über den Altöttinger Liebfrauenboten, den Landesvater, Genmais und Gammelfleisch – und Heiligenverehrung.

Schwester Vroni, die jahrelang die Dritte im Bunde war, habe sich dem heiligen Josef verschrieben, einem „guten Mann, der alles glaubt, was man ihm sagt“. Das war’s dann schon mit dem Genre „Frau gegen Mann“. Im Gegensatz zu manchen ihrer Zeitgenossinnen auf der Kabarettbühne kommt der Geschlechterkampf im Programm so nicht vor, allenfalls mit einem liebevollen Unterton: „Erotisch gibt’s nichts Neues, des tät’ i wissen ... und jetzt komm zum Essen.“

Dafür findet manche weibliche Befindlichkeit keine Gnade vor den Augen der drei Schwestern. Da wäre die Moni, deren Mundwerk keine Minute still steht. Das nützt sie für ihre „Werbung“ für Blue Wonder: Nur bei ihr gäbe es das Staubtuch, „bei Vollmond nach Feng- Shui ausgependelt“. Sie halten’s mit den Heiligen, preisen den „rechten Glauben der Röttenbacher“ und singen eine Litanei zu Ehren von St. Florian („der heilige Florian hat geholfen und der Hof hat schee brennt“) und St. Barbara. „Hint’ wern d’ Haar scho wieder schwarz“ – dank der himmlischen Fürsprecherin. Die Auswahl für das richtige Anliegen ist groß – wie heute beim Homöopathen, „der für alles das richtige Kugerl hat“.

Selbst bei der Ökumene finden die Wellküren neue Aspekte, nicht nur wenn sie beim Treffen Angela Merkels mit dem Papst den Rock an ihm entdecken. Angeblich testeten sie ihre Lieder bei einem evangelischen Kirchentag. „Die Leut’ waren alle betroffen“, bekannte Moni Well, ging es doch um den Tierschutz: „...wenn man einen Leopard hat, muss es da ein Robbenfell sein?“ Wohl verpackt in Hackbrett- und Harfenklänge, gelegentlich auch ein wenig schräg vom Saxofon begleitet, jubeln sie dem Publikum den einen oder andern feinen Stich unter. Nie direkt und grob, manchmal eher ums Eck gedacht. Wie die Umkleidenummer auf offener Bühne: Unter dem Dirndl wird der schwarze Rock hervorgezupft, dann das Mieder auf – und da stehen sie im kleinen Schwarzen.

Frauen an und für sich – auch in ihrem Heimatort Oberschweinbach: Drei Frauenparkplätze vor der Kirche hat Burgi, die „Frauenbeauftragte“, erreicht, aber nicht die Aufnahme in allen 56 Ortsvereinen. „Fast wär’s durchgegangen – beim Burschenverein.“ Das absolute Kopftuchverbot, das sie nach der Reise mit Angela Merkel und Alice Schwarzer in die Türkei erließen, konnten sie den alten Frauen kaum verständlich machen.

PAULINE LINDNER

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Zitat

Sie sind mit den Jahren immer besser und bissiger geworden, gscherter in ihren Texten, freier im komödiantischen Spiel. Musikalisch bleiben sie eh unüberbietbar zwischen Harfe und Hackbrett.

(tz vom 2. Februar 2007)

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