Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung vom 21. März 2000

Weibliche Musketiere

Die Wellküren auf der Bühne. Mit ihrem Programm „Wellness”. Das kennt man doch schon. Hat es schon gesehen oder doch nicht? Irgendwas ist anders. Rund 140 Kilogramm Frauenpower (verteilt auf drei Personen!) singt, spielt und albert sich durch den Abend und hat „a echte Gaudi“. Und doch ist das Programm anders als gewohnt.

Gewaltige Schlagkraft

Nicht die Begeisterung mit der die drei Well-Töchter auf der
Bühne stehen, auch nicht die Schlagkraft, mit der sie die Begeisterungsstürme aus dem Publikum entfachen, sondern ganz einfach der Inhalt. Burgi, Vroni und Moni haben sich die Freiheit genommen, ihr Programm lebendig werden zulassen. „Es entwickelt sich“, sagen sie übereinstimmend hinter der Bühne. „Weil wir nämlich keine Premiere mehr spielen. Das ist nur Hektik und Stress und es schmerzt mich körperlich“, erläutert Moni „und da sind wir einem Erfolgsdruck und einer Erwartungshaltung ausgesetzt, die wir eigentlich nicht tragen wollen.
Also schleichen sich in das aktuelle Programm still und heimlich neue Lieder ein, neue Bosheiten, neue Wunden, in die die drei clownesken Gesellschaftssatirikerinnen ihre musikalischen Pranken hineinlegen können (Finger allein reichen da oft nicht aus). „Das Programm muss immer aktuell bleiben, also tauschen wir Teile davon aus. So einfach ist das“, meint Burgi.

Echte Well-Mütter

Und so kam die Szene mit den Teletubbies ins Programm, die so lieb erzählt wird und deren Inhalt einem den Magen umdrehen konnte, wenn die lieben spielerischen Tubbies die „schööönen Steieieieine“ von der Blumenwiese mitnehmen, um sie von der Autobahnbrücke zu werfen. „Gewalt und Jugend war schon immer ein Thema und ist es noch, weil wir durch unsere Kinder damit konfrontiert werden“, meinen die Well-Mütter. „Und wir wollen zeigen, dass Fernsehen nicht die Zeit und die Zuwendung der Eltern ersetzen kann“, sagt Burgi. Mit ihren Liedern etwas verändern zu wollen („Der Papst”, „Frauen für die Bundeswehr”, das “Abtreibungslied”), diese Vorstellung hat sich nach 14 Jahren Musik-Kabarett erledigt. „Es ist ja schon ein Fortschritt, wenn die Leute den einen Abend nicht vor der Glotze verbringen und bei uns einmal auch herzhaft über sich lachen können“, meint Moni.
Und dazu geben einem die drei weiblichen Musketiere der Gesellschaftskritik genug Gelegenheit. Sie tun es mit spielerischem Charme, mit Improvisation und mit dem inneren Bedürfnis auf der Bühne zu “leben”. „Wenn wir keine Gaudi bei der Sache hätten, wenn wir die Improvisation gegen perfektionistische Routine austauschen müssten, dann würden wir aufhören.“ Da nehmen sie lieber das “Nicht-ganz-perfekte” in Kauf, („Wer instrumentale Perfektion will, soll ins Konzert gehen, nicht zum Kabarett“) und betonen, dass sie „keine Profis“ sein wollen. Genau diese Einstellung dürfte das Erfolgsrezept sein, mit dem die Wellküren ihre Fans an sich binden.

Hingabe ans Publikum

Jeder Abend mit ihnen ist anders - manchmal wie beispielsweise im Neukeferloher Bürgerhaus, geht einiges schief. Die Technik fällt aus, die Instrumente werden vielleicht ein wenig arg malträtiert. Aber das alles ist kein Qualitätskriterium. Was zählt und was die Leute in die Arme der Wellküren treibt, das ist die Schlagkraft ihrer Texte und die unbedingte Hingabe ans Publikum. Und da fällt es vielleicht ein wenig leichter über Themen zu lachen, die einem sonst eher zu Übelkeit anregen. Dort auf der Bühne stehen keine Silikonstars, die in ihrer Bühnenwelt unerreichbar sind. Dort stehen Frauen, die wissen, warum sie singen, Menschen mit vielen Stärken und ein paar Schwächen, die die Verbindung zum Publikum nie abreißen lassen - also eine echte Wellness-Portion (allerdings nicht die von „Hildegard von Bingen“).

GLSELA GOBLIRSCH

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Zitat

Die Wellküren - musikalisch hervorragend, schräg, frech und ungeheuer witzig.

(Leipziger Volkszeitung v. 17./18. Oktober 1998)

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