Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung LK Fürstenfeldbruck vom 8. Dezember 2006

Von Bärenmördern und silbrigen Schleimspuren

Schwungvolle Stubenmusik und politische Frotzeleien auf der neuen CD “Forever” von den Wellküren / Seit 20 Jahren auf der Bühne

Fürstenfeldbruck - Was die bayerische CSU kann, das schaffen die “Wellküren” wohl doch nicht: Sie stehen zwar schon seit 20 Jahren auf der Bühne, aber die weißblauen Christsozialen halt noch viel länger. “Forever” heißt deshalb die fünfte CD der drei Schwestern aus Oberschweinbach. Und “Forever” ist für Burgi, Moni und Bärbl Well auch der Titel eines Lieds über die politische Dreieinigkeit: die immerwährende Freundschaft zwischen Deutschland und den USA, die Präsenz von Doubleyou in der Golfregion und die bis in alle Ewigkeit dauernde Herrschaft von unserem Bayern-Edmund. Forever halt ...
Politischer und bissiger als die früheren scheinen die Texte auf der neuen CD zu sein, wobei der Dreigesang der Wel-Sisiters, die perfekte Beherrschung etlicher Instrumente sowie die traditionelle Stubenmusik mit frechen Texten erneut bestechen. Eine CD kann einen Live-Auftritt zwar nicht ersetzen, doch auch Forever bietet reichlich Spaß: mit ihrem musikalisch-inniglichen, textlich-drastischem Dreigesang veräppeln die Well-Schwestern dickbäuchige, internetsüchtige Männer und Söhne oder verspotten trällernd den depperten Bua, dem sogar die Karriere eines Sebastian Schweinsteigers verwehrt bleibt. Nicht mehr weiß-blau und weniger spaßig sind die Wellküren-Bearbeitungen von “Wochenend und Sonnenschein”, wobei sich Sonnenschein dann unschönerweise auf Altersheim reimen muss.
Zwischen rein instrumentale Landler, Polkas (meist in der Bearbeitung von Christoph Well) oder der berühmten Filmmelodie vom “Dritten Mann” mit köstlichen Nonnentrompeten hat Hans Well von der “Biermösl Blosn” seinen Schwestern schwer verdauliche, wenngleich herrliche Zwischengerichte zubereitet: so etwa den verballhornten Eurovisionshit, der uns Gutmenschen so gar nicht gut aussehen lässt, das Schneckenmördermelodram aus heimischem Garten (mit Geheimtipp: des Plempi vom Warsteiner Bier), das Votivgstanzl, das schon manches Wunder in Bayern bewirkt hat (nur nicht ein akzeptables Wahlergebnis für die Roten) und das Drescherlied, in dem Hans Well und seine Schwestern so richtig schön austeilen.
Wen könnte man nicht alles mit dem Dreschflegel bearbeiten, den Seehofer mit seinem Genmais von Bayer, den Bärenmörder Schnappauf mit seinem Gammelfleisch oder den George Doubleyou – eindreschen könnte man auf sie alle, aber “da kimmt nix wia Stroh.“ Und beim Söder “a silbrige Schleimspur” ...
INA KUEGLER

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Zitat

Dahinter steht blanker Wahnsinn, auch musikalisch: Vom Stubenmusi-Boogie geht eszum Donauwalzer auf den Nonnentrompeten, daß die Hütterln krachen. Von dort zum ersten Satz aus Vivaldis Opus 3/12. Einfach so, einfach dada, einfach gut.

(Erlanger Nachrichten vom 16.10.1996)

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