Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung vom 29./30. Juni 2002

Very Well

Gilching • Während man sich im Münchener Nationaltheater anschickt, mit der “Walküre” die diesjährigen Festspiele zu eröffnen und beim erlauchten Publikum erhabene Erschütterung auszulösen, gab es in Gilching am Donnerstag Abend eine ganz andere Form der Erschütterung zu spüren.  Markerschütterndes Gelächter und frenetischer Applaus begleiteten einen Auftritt der Wellküren, die mit ihrem Jubiläumsprogramm Station bei der Italienischen Woche und im dafür errichteten Festzelt machten.

Jawohl, ein Jubiläum. Seit 15 Jahren touren die drei Well-Schwestern mit ihrem inzwischen sechsten Programm durch das Land und haben nicht nur viele Fans gewonnen, sondern auch einige Preise für hochklassige Kabarettleistungen bekommen. Inzwischen sind Vroni, Moni und Burgi Well seit langem nicht mehr “nur” die Schwestern der Biermösl-Stars - sie sind ihren eigenen Weg gegangen und mit Fug und Recht könnte man auch behaupten, dass die Biermösln eben die Brüder der Wellküren sind.

Wenn man sich soviel Ruhm wie die drei erspielt hat, wird jeder Schritt in eine neue Richtung zu einem doppelten Wagnis. Denn das Publikum nimmt lieber und dankbar eine Wiederholung in Kauf, als bei etwas Neuem die altbekannte Klasse nicht mehr bestätigt zu finden. So ist es nach “Wellness”, dem wirklich großartigen letzten Programm der Well-Frauen, nicht verwunderlich, dass sie aus Anlass des Jubiläums den Sprung ins kalte Wasser noch ein wenig verschoben haben und im Moment mit einem “Best of “-Programm auf Reisen sind. Gut so, denn nicht eine einzige Sekunde der rund zweistündigen Bühnenshow erscheint wiederholt, gar überholt, geschweige denn langweilig.

Voller Energie und Frische und mit unerschütterlicher Präzision halten die drei das Publikum in Atem und verlieren in keinem Augenblick den Kontakt zu den Menschen. Dabei leben die Wellküren auch von der guten Rollenverteilung innerhalb des Trios. Vroni Well ist, was den Klamauk betrifft, eher zurückhaltend, scheint aber die musikalische Stütze des Dreigesangs zu sein.  Burgi ist für die rauheren Töne zuständig, und Moni hält mit ihrer Schlagfertigkeit das Publikum auf Trab.

Die Hauptrollen des Abends aber spielen natürlich die Musik und vor allem die Heimat der drei.  Oberschweinbach ist ein Klassiker, ein Mikrokosmos, der sich beliebig auf jedweden globalen Zustand hochrechnen lässt. Im ehemals beschaulichen Bauerndorf haben mit Panoramafenstern, Mutter-Kind-Gruppe und Frauenparkplätzen schon lange die Segnungen der Zivilisation Einzug gehalten. Die vielbeschworene Gemütlichkeit wird zum bitterbösen, sarkastisch zitierten Anachronismus. Natürlich gehören auch Protestsongs gegen Kirche und plastische Chirurgie zum guten Ton des Abends. Ebenso wenig darf die Werbung für die Josephsverehrerinnen fehlen (auch wenn es die dazu angekündigte Website leider nicht gibt).

Absoluter Höhepunkt aber ist die Nummer mit den drei Normentrompeten.  Dieses Instrument, ein Kuriosum der Musikgeschichte und auch als Trumscheit oder Tromba Marina bekannt, liefert einen knarzenden Ton wie auf alten Schellackplatten. Da hielt es das Publikum kaum noch auf den Bänken. Die (Zwerchfell-)Erschütterung war groß.

ANDRÉ KRELLMANN

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Zitat

Spätestens nach dem dritten Vers wacht jeder auf und merkt, was ihm die wilden Weiber zumuten. Im Isnyer Theaterzelt wurden die Schwestern für ihre Boshaftigkeiten und ihr verbales Pfeile schießen stürmisch gefeiert.

(Schwäbische Zeitung vom 5. August 2009)

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