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Fürther Nachrichten vom 18.01.2010

Systemanalyse auf unvergleichlich schwesterliche Art

Mission möglich: Die herzerwärmenden und saufrechen Wellküren mustern in der Comödie mit der Mistgabel aus Systemanalyse auf unvergleichlich schwesterliche Art

Endlich wird das wieder was mit dem sorgenfreien Durchschlafen in der Nacht: Die Wellküren sind aufgebrochen mit der Mission, Bayern zu retten. Ade, Krise. Grüß Gott, schöne neue Wellness-Zeit. Mit ihrem aktuellen Programm «Beste Schwestern» beruhigten die Well-Frauen in der bis auf den letzten Platz besetzen Comödie aufgewühlte Gemüter. Damit die Stimmung in Fürth noch besser wird, kommen die drei am Mittwoch wieder.

Man stellt es sich lieber gar nicht vor, was Franz Josef dazu gesagt hätte. 41 Prozent. Gut, das war nur eine Umfrage. Und manch einer will aus dem wilden Kreuth sogar erleichterte Seufzer vernommen haben. Gleichviel. Für ein empfindsames bairisches Gemüt sind aufwühlende Zeiten zu erdulden. Moni Well versteht das. Die schmale Frau mit dem nimmermüden Mundwerk kann nicht anders: Sie will, ach was, sie muss helfen. Moni, die Wortgewaltige, bietet sich als nächste Ministerpräsidentin an.

Was das heißt? Unverschämt lustige Zeiten stehen uns ins Haus. Die Qualifikation der hinreißend bissigen Moni spricht für sich: Wer mit 14 Geschwistern aufwuchs, mit Stubenmusik brüllende Begeisterung weckt, leidenschaftlich vertreibt, was sich an Plastikdosen und ähnlichem im Wohnzimmer vertreiben lässt und seit 23 Jahren mit den eigenen Schwestern unfallfrei zusammenarbeitet – der darf sich als gewiefte Problemlöserin vorstellen.

Ganz nebenbei, sagt die Moni, hat sie gemeinsam mit ihren treuen Verbündeten Burgi und Bärbi schon längst ihren Heimatort Oberschweinebach auf Vordermann gebracht, also, besser gesagt, auf Hochglanz gewienert. Das liegt nicht nur an dem einzigartigen «Wishing Well»-Putzsystem, sondern vor allem an der Tatsache, dass diese Schwester-Partei zu den erfreulichsten Kabarett-Großereignissen zählt, die es hier zu Lande gibt.

Allein die scharfkantige Kombination von herzerwärmender Stubenmusi und glockenreinem Dreigesang mit saufrechen Kommentaren ist unerreicht. Die drei klingen zu Hackbrett, Harfe, Nonnentrompeten und Tuba zuweilen wie ein Trapp-Familie- Remix, doch der Schein wird blitzschnell entlarvt. Urbairisch sind ihre Texte – selbst wenn sie englisch singen – und entwaffnend. Aufgeblasene Mannsbilder haben keine Chance. Und fintenreiche Politgespinste erst recht nicht. Der FC Bayern wird angespielt. Die Globalisierung umrundet. Silbereisen und Barth abgewatscht. Fürth zartfühlend beäugt («Viel los in dem Sinn ist ja bei euch wohl nicht?»). «Die wo koa Hirn net ham», aber an den Schalthebel sitzen, rasch mit der Mistgabel ausgemustert. Fehlt noch was? Was Wichtiges kann’s nicht sein.

Die Well’schen Systemanalytikerinnen haben den Durchblick und bringen ihre weltverbessernden Einsichten schonungslos ans begeisterte Publikum, das ohne Zögern sinnfreie Gesänge mitanstimmt («Hättet ihr das in Fürth erwartet?») und auch ein paar Programmpunkte liebevoll willkommen heißt, die schon länger bühnenerprobt sind.

Höllenfahrt

Nach der Pause erscheinen die Well-Schwestern nicht wie sonst gerne mal im Dirndl, sondern gleich im Kleinen Schwarzen. Ein angemessenes Outfit fürs bewegende Ende. Ennio Morricones wunderbarer Allzeitklassiker «Spiel mir das Lied vom Tod» erklingt auf Hackbrett und Harfe zu einem Musical «zwischen Dante und James Joyce». Schließlich geht es um die Höllenfahrt einer Partei, die mit dem gar grässlichen «Morbus Frankonia Pauli» ihren Anfang nahm . . .

Beim heftig beklatschten Finale ist Bayern vielleicht noch nicht gerettet. Der Abend dagegen auf jeden Fall. Und eure Mission, liebe Well-Frauen, die müsste doch wirklich möglich sein. SABINE REMPE

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Zitat

Und sie beherrschen den Würgegriff einer Anaconda, können wie ein Alligator mit einem Biss einen Köpf oder Schlimmeres von einem Rumpf trennen und verfügen außerdem über Unmengen vom Gift einer grünen Mamba.

(Süddeutsche Zeitung v. 10.5.2002)

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