Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung vom 20. November 2005

Safer Sex in Oberschweinbach

Im Programm “Stubenmusi macht süchtig!“ führen die drei Schwestern die Männerwelt genüsslich vor.

Ismaning • Die Frauenbeauftragte, die Sozialpädagogin und die Emanze kennen keine Gnade. Wenn die Leute es eben übertreiben mit der Stubenmusi, wo sie doch schon immer gesagt hätten, dass Stubenmusi das beste Verhütungsmittel sei, ihnen deshalb von der Familienministerin höchstselbst der rapide Geburtenrückgang zur Last gelegt werde, dann, ja dann müssten sie eben jetzt und hier auf der Bühne in Ismaning eine Partnervermittlung veranstalten. Die “Wellküren” Burgi, Bärbi und Moni sind an dieser Stelle ihres Programms “Stubenmusi macht süchtig” im restlos ausverkauften Bürgersaal auf dem Höhepunkt ihrer Form. Das Publikum ist längst süchtig gemacht nach ihrer radikalen Volksmusik und ihrer geballten Frauenpower. Keine Widerrede erduldend, picken sie sich zwei “Freiwillige” aus dem Publikum, lassen sie tanzen und springen und entlassen sie dann wieder: “Wenn’s was werd’, spui ma auf euerer Hochzeit”.

19 Jahre ist es her, dass die drei Schwestern der berühmten Biermösl Blosn begannen, eine weibliche Variante der Stubenmusi unters Volk zu bringen. Doch schon bevor Anfang dieses Jahres Vroni mittels eines “innerfamiliären Castings” durch Bärbi ersetzt wurde, hatten sich die Wellküren längst von ihren Brüdern emanzipiert. Sie sind zur eigenständigen bayerischen Kabarett-Institution geworden, die schnatternd und tratschend die dörfliche Frauenperspektive aufs Korn nehmen. Daheim, in Oberschweinbach, ist man in jedem der 56 Vereine – außer im Burschenverein. Hier schaut der Mann der Frau beim Putzen zu, “weil er dabei so gut entspannen kann”. Oder man gründet selbst einen Verein, den “Josephsverehrungsverein” zum Beispiel, dem voll und ganz zu widmen sich die Ex-Wellküre Vroni zur Aufgabe gemacht haben soll.

Wie eine Rockschlagzeugerin mit ihren Sticks gibt Moni mit ihren Hackbretthämmerchen den Takt vor, zur böse frotzelnden Stubenmusi mit Saxophon, Tuba, Akkordeon und Nonnentrompete. Da wird im Dreigesang dann die “zweng’s am Sepp seiner unanständigen Lust” erbetene Schönheitsoperation gegeißelt – ein “Protestsong” wie Moni insistiert. Lustvoll gießen sie in Schnaderhüpferl und Gstanzl Spott über die Leibesfülle von Ottfried Fischer, über die Gesichtscreme von Uschi Glas oder über Guido Westerwelle, der seinen Teint eben jener Lotion verdankt. Und auch der Aschheimer Bürgermeister kommt im resulten Verbalgewitter zu Ehren, wie er nächtens Schilder vertauscht und aus dem “Ismaninger See” den “Aschheimer See” macht. Doch auch über die Beschreibung der örtlichen Männer konnte das Ismaninger Publikum herzhaft lachen: “A Hirn wia a Laus, aber jeder hat a Haus.“ Zur umjubelten Zugabe kam noch die 85-jährige Traudl Well auf die Bühne und zupfte mit ihren Töchtern auf der Zither das Klagelied von den ewigen küchengeräteschenkenden Männern. Süchtig nach politisch unkorrekter Stubenmusi, die durchaus selbstkritisch zwischen Weltläufigkeit und bayerischer Tradition balanciert, scheint auch sie noch zu sein. Obgleich sie als Mutter von 15 Kindern die Wirkung der Stubenmusi als Verhütungsmittel nicht bezeugen kann.

STEFAN MÜHLEISEN

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Zitat

Das liegt nicht nur an dem einzigartigen «Wisching Well»-Putzsystem, sondern vor allem an der Tatsache, dass diese Schwester-Partei zu den erfreulichsten Kabarett-Großereignissen zählt, die es hier zu Lande gibt. Allein die scharfkantige Kombination von herzerwärmender Stubenmusi und glockenreinem Dreigesang mit saufrechen Kommentaren ist unerreicht.

(Fürther Nachrichten vom 18.01.2010)

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