Pressestimmen

Oberbayerisches Volksblatt vom 2. November 2010

Mit Stubenmusi Bayern retten

Im ausverkauften Haberkasten präsentieren sich die Wellküren als einzig “wahre Schwesternpartei” Die Wellküren sind ein Publikumsmagnet - vor allem, wenn sie sich nur selten blicken lassen. In Mühldorf traten die Well-Schwestern zuletzt vor acht Jahren auf, entsprechend schnell waren die Karten vergriffen und entsprechend lang die Warteliste.

In ihren Dirndln stehen Monika Well-Hösl, Notburga Well und Barbara Pixis dann freundlich lächelnd auf der Bühne, harmlos, fast etwas damenhaft kommen sie daher - solange sie den Mund halten. So lieblich das
Aussehen, so heftiger wirken die verbalen Attacken auf alles, was sich in der politischen und privaten Landschaft bewegt und ihnen nicht passt: Da ist die Rede von der “Zuchtln” Alice Schwarzer, von Berlusconi, dem “alten Tatterer”, und dem verfetteten Ehemann, der in einer Zupf-Instrumenten-Variante von AC/DC’s “Highway to hell” zum Teufel gewünscht wird (“Der Deifl soll eam holn”).

Als roter Faden durch das energiegeladene, zweieinhalbstündige Programm zieht sich der Plan, Bayern zu retten. Wer könnte das besser als die einzig “wahre Schwesternpartei”. Barbi schlüpft in die Rolle einer Diplom-Sozialpädagogin, Burgi übernimmt den Part der Frauenbeauftragten, die präkoitive Geburtsvorbereitungskurse im Burschenverein gibt, während Moni in bester Vertretermanier ihr Mikrofasertuch “Wisching Well” an die Frau und den Mann bringt und zudem für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren will, denn “reden konns”. Und “hinterfotzig sei wie in der Politik” lernt man bei 14 Geschwistern allemal. Die drei Schwestern stammen nämlich - wie ihre bekannten Brüder von der Biermösl Blosn - aus der tatsächlich 17-köpfigen Volksmusikerfamilie Well aus Oberschweinbach, einer Gemeinde zwischen München und Augsburg. Dort haben sie auch den traditionellen Dreigesang von ihrem Vater beigebracht bekommen.

Politische Hilfe holen sich die drei bei der Bayern-Rettung von Barack Obama. Aus “Yes we can” wird “Wer ko, der ko”. Und dass sie mehr können als kracherte Sprüche klopfen, zeigen sie beim Griff zu den
Instrumenten. Angefangen von Hackbrett, Saxofon, Harmonika und Ukulele über Gitarre, Posaune und Harfe bis hin zur Tuba beherrschen sie ein breites Repertoire, zu dem auch die gewöhnungsbedürftige Nonnentrompete zählt. Auf die Melodie von “Spiel mir das Lied vom Tod” fiedeln sie schön schräg ein “Stubenmusical”, in dem Edmund I. seinem Gegenspieler aus Frankonia unterliegt und sich Horst ganz undiplomatisch seinen Weg nach oben arbeitet (“Erwin, komm raus aus deinem Loch, du niederbayerischer Ratz!”).

Das Publikum honoriert diese unverstellte, erfrischende und respektlose Art immer wieder mit viel Applaus. Seit 24 Jahren stehen die drei Schestern auf der Bühne, über 2000 Auftritte haben sie bestritten. Aber von Müdigkeit keine Spur. Wäre es ein Wahlabend gewesen, hätte die “wahre Schwesternpartei” in Mühldorf beste Chancen auf einen großen Sieg gehabt.

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Zitat

So ist es nach “Wellness”, dem wirklich großartigen letzten Programm der Well-Frauen nicht verwunderlich, dass sie aus Anlass des Jubiläums den Sprung ins kalte Wasse noch ein wenig aufgeschoben haben und im Moment mit einem “Best of”-Programm auf Reisen sind. Gut so, denn nicht eine einzige Sekunde der rund zweistündigen Bühnenshow erscheint wiederholt, gar überholt, geschweige denn langweilig.

(Süddeutsche Zeitung v. 29./30. Juni 2002)

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