Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung Würmtal vom 15. Juni 2007

Mit Giftspritzen gegen politische Plagen

Well-Schwestern Moni, Burgi und Bärbi heizen dem Starnberger Publikum mit Stubnmusi ein

STARNBERG • “Spiel mir das Lied vom Tod”, zittern die langen Saiten der Nonnentrompete schrill und drohend im dritten und letzten Akt des “Stubnmusicals” – oder doch besser Stubngrusical? Schauerlich spannend wie die vorherigen Akte, die von Becksteins Gendarmerie und der königlich-bayerischen SPD handeln, sowie der grausig-tückischen Krankheit “Morbus Frankonia Pauli”, die den bayerischen König Edmund so arg plagt, gestaltet sich schlussendlich auch der Showdown inmitten der Hopfenfelder in der Holledau. Doch wer wissen will, wie’s ausgeht, dem sei lapidar geraten, doch einfach das Radio anzustellen. Ende der Vorstellung, Verbeugung der Damen im eleganten Schwarzen und donnernder Beifall des Publikums im vollbesetzten großen Saal der Schlossberghalle. Auf die umjubelten Wellküren ist eben Verlass: So sicher die drei Schwestern der Biermösl Blosn mit ihrer schrägen Melange aus zünftig bayerischer Volksmusik und deftigem Kabarett die Säle füllen, so sicher ist auch ihr immer wieder wohlmeindender Hinweis auf das Wundermittel schlechthin - die traditionelle Stubnmusi. Ob als Medizin gegen aufkeimende Depressionen, oder als durchaus sicheres Verhütungsmittel – Polka, Landler und Zwiefache helfen.
Die hatten Moni, Burgi und Bärbi aus der 17-köpfigen Familie Well am Mittwochabend ebenso dabei wie Harfe, Hackbrett und Gitarre, besten Dreigesang und Boshaftigkeiten ohne Ende: Pointe um Pointe watschen sie Merkel und Co. ab, sprühen Gift in Richtung Stoiber und auf Söder – kurz nachdem sie sich ausgiebig mit Schneckeninvasionen und deren Schleimspuren beschäftigt haben.
In fesche Dirndl gewandet rauchen sie zum Harfenspiel lässig ‘ne Zigarette, lassen das Publikum mitsingen und besingen selbst bayerische Heilige und selbstgezüchteten Mangold, das Baumsterben und die dicken Deutschen. Wenn sie nicht gerade vom Leben in Oberschweinbach berichten. Denn musizieren tun die Wellschwestern nur am Wochenende. Zu viel der Termine, sind sie doch alle auch Hausfrauen, Ehefrauen, Mütter und – bis auf den Burschenverein – so ziemlich in jedem Dorfverein Mitglied. Die Burgi hat als Frauenbeauftragte neben der Kirche drei Frauenparkplätze und ein Kopftuchverbot durchgesetzt. Sollten die weiblichen Alten im Dorf doch ein Käppi aufsetzen, wenn ihnen kalt ist. Die Moni vertreibt Fensterputztücher der Marke “Blue Wonder” und die Bärbi ist halt die Diplom-Sozialpädagogin, die Spielplätze schafft. Nur fehlen dazu die vielen Kinder im Dorf, womit wir wieder bei der Stubnmusi wären.
Seit 21 Jahren touren die Wellküren mit ihrem volksmusikalischen Kabarett über die Bühnen. “Forever” heißt denn auch ihr aktuelles Programm, mit dem sie sich in Starnberg in Bestform präsentierten. Und dass die Wellschwestern für immer so weiter machen, das war dann auch ganz der Wunsch des begeisterten Publikums.
NICOLA SEIPP

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Zitat

Weil der Joseph “a guada Mo” war, einer, der alles glaubte, was ihm die Frau auftischte - deshalb sind die Wellküren in ihrem Heimatort Oberschweinbach im Verein der Josephsverehrerinnen. Respektlos emanzipiert nehmen Moni, Vroni und Burgi eigentlich alles in den Mund, watschn heiligste Respektspersonen ab (“Wir brauchen dich wie der Papst sein’ Schwanz: Kaiser Franz”), spucken mit Unschuldsengerl-Miene und harmonischem Dreigesang Gift und Galle, und das Deftigste schmeckt grad gut genug.

(Abendzeitung v. 20. Januar 2004)

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