Esslinger Zeitung vom 20. November 2007
Lang lebe Stubenmusik
Wellküren begeistern mit neuem Programm im Theaterhaus
Stuttgart - Well. Well. Well. So klingt es, wenn ein englisch sprechender Mensch zum Ausdruck bringt, dass ihm etwas besonders gut gefällt. Wenn sich Moni, Burgi und Bärbi vorstellen, klingt es genau so, denn die Schwestern stammen aus der bayerischen Großfamilie Well, die bereits die Biermösl Blosn hervorgebracht hat. Gemeinsam bilden sie Deutschlands einziges „Hardcore-Stubenmusik-Terzett“. Unter dem Namen „Wellküren“ wirbeln sie seit mehr als 20 Jahren über die Bühnen.
Diejenigen, die den Begriff Stubenmusik mit Heimattümelei verbinden, werden schon in den ersten Minuten im Stuttgarter Theaterhaus eines besseren belehrt. „Stubenmusik ist das Gegenteil von Mehrzweckhalle und schützt vor Hinterseer, Silbereisen und Dieter Bohlen“, lautet die Definition des Trios. Der elterliche Hinweis, dass sie auch zur Empfängnisverhütung taugt, darf angesichts der 17-köpfigen Familie als gescheitert betrachtet werden. Wie ihre Brüder von den Biermösl-Blosn beherrschen auch die Wellküren den Dreigesang und mehrere Instrumente. Von Tuba, Posaune und Saxofon bis hin zu Harfe, Hackbrett, Akkordeon. Damit begleiten sie ihre vermeintlich harmlos-heiteren Alltagsgeschichten aus dem heimatlichen „Oberschweinbach“. Um Schneckenvernichtung geht es da, um die Bekämpfung von Depressionen und um die Fragen, in welchen Fällen die Heiligenverehrung der Homöopathie vorzuziehen ist.
Natürlich kommt ein Programm der Wellküren nicht ohne Klischees, Witzchen und satirische Spitzchen gegen Politik und Gesellschaft aus. Immer wieder setzen sie den Nordlichtern und den Österreichern die Narrenkappe auf, das modische Outfit der Angela Merkel bleibt nicht unkommentiert, und natürlich nimmt Edmund Stoiber einen gebührenden Platz im Programm ein. Seine Steilvorlagen schreien ja geradezu nach künstlerischer Verwertung. Mit Charme, Geist und einer gehörigen Prise Boshaftigkeit geben die Damen ihrem Programm Würze. Einer der schaurig-schönen Höhepunkte ist, wenn die Musikerinnen zur Nonnentrompete greifen und auf dem traditionellen Streichinstrument eine kratzig-schräge Version der Titelmelodie aus dem Film „Der dritte Mann“ zum Besten geben. Noch mehr Gänsehaut bietet nur noch das Stuben-Grusical in drei Akten: Zur Musik von „Spiel mir das Lied vom Tod“ wird die traurige Mär vom einsamen Monarchen Edmund dem Ersten erzählt, der an „Morbus Frankonia Pauli“ erkrankt und seinen Platz räumen muss, um den sich zwei Widersacher duellieren. Der Showdown, zu dem die Nonnentrompete noch einmal bemüht wird, erfolgt in einem Hopfenfeld in der Holledau. Es ist der grandiose Schlussakt zu einem geistreichen, höchst vergnüglichen Abend. Well, well, well, ihr Schwestern.
Von Ole Detlefsen
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