Süddeutsche Zeitung vom 10. Mai 2002
Lästern macht Spaß
Die Wellküren würgen mit Worten, vergiften mit Satire
Erding • Ob die Tatsache, dass die drei Schwestern jetzt schon seit 15 Jahren als Wellküren auf den Bühnen stehen, wirklich der Grund für ihr Jubiläumsprogramrn ist, darf bezweifelt werden. Die Wahrheit dürfte sein, dass sie es wie ihre Brüder, die zwar bekanntlich auch Well heißen aber unter dem Namen Biermösl Blosn auftreten, einfach nicht lassen können zu lästern. Und richtig Spaß macht es ihnen wohl nur, wenn sie die, über die sie lästern, direkt vor sich sitzen haben wie in der randvoll ausverkauften Stadthalle.
Aber erst einmal fing es ganz harmlos an. Moni, Vroni und Burgi plauderten von den Zeiten, als sie noch vor 18 Besuchern auftraten, erinnerten sich, dass sie damals auch im Erdinger Ferstl-Keller gastierten. Doch mit dem Bekenntnis, dass sie aus Oberschweinbach kommen und des morgens, wenn Kinder und Mann aus dem Haus sind, von der Frage gepeinigt werden, was sie kochen sollen, wird zum Halali geblasen. Das darf auch wörtlich genommen werden, denn die drei Damen greifen nicht nur zu Hackbrett, Harfe oder Gitarre, auch eine Tuba gehört zur Ausstattung.
So erfährt man von den Fress-Gewohnheiten des Sepp, mit Beats and Drums werden laute Zweifel an der Unfehlbarkeit des Papstes geschürt und Tipps zur Empfängnisverhütung gegeben. Und das alles und noch mehr recht gepfeffert und mit Stimmen, mit denen man auch Glas schneiden oder zumindest zum Bersten bringen könnte. Denn sie sind von dieser Art Frauen, die Männer schon immer gefürchtet haben. Sie sind mit allen weiblichen Attributen ausgestattet, haben Charme und Herz. Und sie beherrschen den Würgegriff einer Anaconda, können wie ein Alligator mit einem Biss einen Kopf oder Schlimmeres von einem Rumpf trennen und verfügen außerdem über Unmengen vom Gift einer grünen Mamba.
Diese etwas beunruhigenden Eigenschaften sind allerdings und glücklicherweise eher als Metapher zu verstehen. Denn die Wellküren bevorzugen den finalen Wörterbiss, sie würgen mit Worten und vergiften mit blanker Satire. Bevorzugtes Objekt dieser Passion: Männer. Einzige Ausnahme: der biblische Josef. Den verehren sie, weil er alles glaubt. Doch beim Namen Boris wird Burgi zur Hyäne, bei Kindern sind alle drei der Ansicht, dass man sie eigentlich auch erschießen dürfen sollte, wenn man sie schon auf die Welt gebracht hat. Sie rappen sich bis zur “ausgetrockneten Schnalle” durch die Mutter-Kind-Gruppe, spannen einen Penis in einen Schraubstock, weil sich halt jeder auf seine Weise amüsiert.
Moni hingegen findet immer wieder Gefallen an ihrem blauen Putzlappen, und die Zuschauer besonders, als sich Hans und Helmut auf die Bühne trauen zum Schuhplatteln und Bauchtanzen. Ob wenigstens ein Tanzbär weiß, wann er vorgeführt wird?
PET
