Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung vom 29. September 2006

Harry-Lime-Motiv auf den Nonnentrompeten

Das Kabarettistinnen-Trio besticht durch pointierten Witz, hohe Musikalität und Bühnenpräsenz.

Unterföhring • “Stubenmusi macht süchtig!“ Der Zulauf des Publikums zum Auftritt der Wellküren spricht uneingeschränkt für diese Behauptung. Das Programm mit dem die schon legendäre Gruppe jetzt ihr Unterföhringer Publikum begeisterte, war zum größten Teil neu. Es stammt aus der CD “Wellküren Forever”, die am 1. Dezember veröffentlicht wird. Mit dem gleichnamigen Programm werden die Musikkabarettistinnen im Jahr 2007 unterwegs sein.

Das Programm der Wellküren würde man im Weinbau “Ausbruch” nennen und damit folgende Eigenschaften ausdrücken: saftig, erlesen und an Qualität kaum zu überbieten. Fügt man noch hinzu: erfrischend, respektlos, hinterkünftig, manchmal auch schrill, rotzfrech und mitunter ein wenig frivol, so hat man die Mischung charakterisiert, der die Schwestern der “Biermösl Blosn” ihren Erfolg verdanken. Das ganze steht freilich auf dem soliden Fundament einer angeborenen und früh geschulten Musikalität, wie sie in der siebzehnköpfigen Volksmusikantenfamilie Well üblich war und ist.

Musik, Gesang und Jodeln

Ihre Stimmkraft könnte viele beschämen, die sich heute ins Rampenlicht wagen. Nicht geringen Anteil an der durchschlagenden Wirkung hat der souveräne Umgang mit einer Reihe von Instrumenten, darunter Harfe, Hackbrett, Gitarre, die kleine Ziehharmonika, Saxophon, Tuba und die selbstgefertigten “Nonnentrompeten”. Auf denen ließen die Wellküren das berühmte Harry-Lime-Thema von Anton Karras aus dem Film “Der dritte Mann” erklingen.

Man folgt entzückt dem weiß-blauen Fähnlein, einem herrlichen Komposit aus Musik, Gesang und Jodeln, das von Depressionen im Allgemeinen und bei einem prominenten Politikersohn im Besonderen, vom Vorteil der Heiligenverehrung gegenüber der Homöopathie und vom “Wochenend im Altersheim” – einem Blick in die Zukunft – handelt. Da der Beifall nicht enden wollte, drohten die Wellküren schließlich mit einer Ballade von ursprünglich 56 Strophen, die sie aber auf ein einziges “Gut Nacht” zusammenzogen. Das Publikum hätte sich wohl auch die lange Version mit Vergnügen angehört.

Sonderbeifall gab es für die Well-Mutter, die ihren Töchtern zufolge Mozart noch persönlich gekannt hat, und die Zuhörer mit einer Zithernummer erfreute.

Fazit des Abends: Die Wellküren haben immer noch ein untrügliches Gespür dafür, wie man sein Publikum unmittelbar erreicht und Lachsalven, Applaus, rhythmisches Klatschen und Lust zum Mitsingen evoziert. Speziell zum heimischen Idiom sangen sie: “Boarisch – des konnst net lerna und net studiern, im Herzen drin muaßt as spürn.“

KARL RIECK

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Zitat

Sind die Wellküren vielleicht so etwas wie die bayerischen Bangles, die alpenländischen Supremes? Kann auch nicht sein, sagt Ringsgwandl, denn: “Schwarz sind sie nicht.“ Letztlich greife wohl nur ein Erklärungsansatz halbwegs ihre große kabarettistische Potenz, ihr musikalisches Gewicht gebe den Ausschlag. Ringsgwandl: “Von diesem Gewicht her san die Wellküren nämlich so etwas wie der Max Strauß, bloß nicht so depressiv und obendrein noch steuerlich sauber!

(Süddeutsche Zeitung v. 22.01. 2004)

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