Schwäbisches Tagblatt vom 30.Oktober 2000
Grundböse Gstanzln
Ein Wellküren-Ritt durchs Waldhorn
Gut recherchiert, Wellküren! Wenn die drei leiblichen Schwestern des famosen Biermösl-Blosn-Trios sagen wir einmal in Rottenburg vorbeischauen, dann bekommt auch der Auftrittsort selber in den schrägen Gstanzn der Well-Sisters exklusiv eine eingeschenkt. „Seits die Neckarbrücken hat / Moant Rottenburg, es wär a Stadt“ - so reimte sich das am Donnerstagabend im ausverkauften Waldhom zusammen.
Seit runden 15 Jahren touren Moni, Vroni und Burgi Well nun schon im Terzett durch die Lande. Mit Programmen, die ansonsten so bayerisch sind wie die Vornamen des Trios und dem außerbajuwarischen Publikum beim Zuhören einiges an Konzentration abverlangen.
In “Wellness” geht es zunächst einmal ganz selbstironisch um Frauenpower auf dem Lande. Burgi hat es doch tatsächlich zur Frauenbeauftragten im 800-Seelen-Ort Günzlhofen gebracht und dort drei Frauenparkplätze vor der Kirche erstritten. Die Moni, einst Tupperware-Vertreterin, macht jetzt für “Blue Wonder”-Putztücher Reklame. Vroni wiederum, der einseitigen Marienverehrung überdrüssig, hat einen rührigen “Josefsverein” gegründet.
Fortan aber kehren die Wellküren nicht mehr nur vor der heimischen Oberschweinbacher Haustür. Wenn sie über das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma lästern, tun sie das so agitprophaft schandmaulig, dass im katholischen Rottenburg nicht wirklich alle lachen mögen. Und den Geschlechterkampf treiben die Wellküren mit rabenschwarzen Versen bis zum Kannibalismus voran.
Und schon werfen Teletubbies wieder quietschvergnügt Steine von Autobahnbrücken, paart sich bei total ganzheitlichen Wellness-Kuren “Positive Thinking” mit “Zwetschgensaft-Drinking” und “Hildegard-von-Binging”.
Spaß macht derartige Drastik auch, weil das Trio sein musikalisches Handwerk so gut versteht und dirndlseliges Stadl-Tum wie Schlager-Einfalt mehr als bloß zu parodieren weiß. Im Well-Clan mit seinen 15 Kindern haben sie den Dreigesang, das Gstanzln-Schmieden, die vielen Instrumente offenbar gelernt wie in anderen Familien das Essen mit Messer und Gabel. Selbst das aber ist den Wellküren noch einen Schmäh wert: “Stubenmusik”, erklärt Moni hintersinnig, “ist die beste Empfängnisverhütung, sagten die EItem. Da ham ma uns denkt, de miaßans scho wissn.“
Mit einem „herzlichen Dank an unsere Männer, die uns erlauben, dass wir herumfahren und Musik spielen”, verabschiedeten sich die Drei am Donnerstag von einer restlos begeisterten Zuhörer(innen)schaft. Zuvor aber mussten noch zwei Männer ran: Mario und Manfred aus der - so ein Pech! - ersten Reihe. Sie durften vor johlendem Publikum eine Art eingesprungenen Schuhplattler aufs Parkett legen, ja, beim Bauchtanz gar ihre Nabelbehaarung entblößen. “Einwandfrei” fand dies hernach Mario, und weißgott nicht nur er.
WILLIBALD RUSCHEINSKI
