Pressestimmen

Allgäuer Zeitung vom 20. Februar 2001

Ein Dreckbär muss dran glauben

Die “Wellküren” erweisen sich in Oberstdorf mit “Wellness” als meisterhafte Lästerzungen.

Oberstdorf• Gut steht die Konjunktur für Kabarett und Comedy, viel Flachsinn blüht in den Kanälen.  Doch listig lugt im Überangebot des spöttelnden Frohsinns so mancher Klassiker hervor und kann auf schlichten Bühnenbrettern die kalauernden Kollegen clever überrunden. Denn nichts geht über wahre Stimmen-Qualität, über kernig bayerische Schlitzohrigkeit, den echten Sprachwitz, den ausgefeilten Hintersinn, die feinen und die groben Spitzen von lästerlichen Zungen.  Die “Wellküren” haben es vorgemacht, wie sehr fast klassisches Kabarett zu begeistern vermag, wie frech und frisch auch langgediente Spötter sein können.

Kultivierte Stimmen

Natürlich sind die drei Schwestern aus der vielköpfigen Well-Familie ausgebuffte Profis, mit vielen Bühnen-Wassern gewaschen.  Selbstverständlich ist fast jede Pointe streng geübt, das Programm gefeilt, die Rollen geschickt gewählt. Der Zuhörer jedoch, der merkt es kaum: Spontan kommen die Gags von der Oberstdorfer Kurhaus-Bühne, Gedankenblitzen gleich. Die Komik scheint aus der Situation geboren, die Heiterkeit vom Himmel gefallen. Die Lästerei, sie lebt. Taufrisch trifft sie auf offene Ohren, reizt zu herzhaften Lachern, bisweilen auch zur Nachdenklichkeit.

Grobe Gags sind ihre Sache nicht.  Sie können mehr als blanke Brüller provozieren. Die scheinbar heile Welt des kleinen Dorfes ist gut für Witzeleien und liefert reichlich Stoff für altbekannte Klischees wie zeitgeistige Sticheleien: Boris Becker, “der rothaarige Dreckbär”, muss daran glauben wie die Kirche, die falsche Volksmusik wird ebenso derbleckt wie Wellness-Fieber und Schönheitswahn.  Dabei bleiben die Well-Mädels brav über der Gürtellinie; sie beleidigen auch nicht, selbst wenn so mancher ihrer Pfeile die falsch-verlogene Haut gar schmerzlich ritzt.  Ihr Spiel ist hohe Kunst.  Die Kunst mit Worten zu jonglieren, Doppeldeutigkeiten geschickt zu nutzen, zu provozieren, den Mitmenschen den Spiegel vorzuhalten.

Allein die Well’schen Stimmen müssten nicht wenige beschämen, die singend sich auf Bühnen wagen.  Kultiviert sind sie, dezent geschult, ein gar prächtiger Dreigesang.  Geeignet, die Charaktere vielleicht der Sängerinnen selbst, zumindest aber ihrer Bühnenfiguren zu illustrieren, probates Mittel zur dramaturgischen Gestaltung.  Füllig und warm die Stimme der Burgi, das saubere Deandl, die Bayerin aus dem Tourismusprospekt, gerade-glatt die schöne große Vroni, ein wenig dämlich, verdächtig elegant, doch hinterfotzig. Dazu frech durch viele Lagen schwingend, ja tobend, vom Unschuldsengerl bis zur schrillen Göre die Moni.  Ein Top-Trio, stimmgewaltig wie Wagners Walküren.

Aufgekratzte Stubenmusi

Ihre “Oper” hat die Spannkraft eines guten Musiktheaters.  Ihre Live-Aufführung ist geradezu beglückend, die Stories leben, das Puzzle an Themen ist prächtig bunt, von unterhaltsam flach bis provozierend tief.  Für beste Unterhaltung sorgt nicht zuletzt das reichhaltige Instrumentarium, auf dem die drei Damen brillieren - oder ihre schrägen Scherze treiben. Da wird die traute Stubenmusi aufgekratzt, Country auf Kinderinstrumenten nachgeäfft, Strauß auf “Nonnentrompeten” gequält.  Kabarett und musikalischer Spaß frisch und frech und gut gemacht - Wellness für die Hörer.

CHRISTOPH PFISTER

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Zitat

Überhaupt die Texte: Sie sind urbayerisch, selbst wenn sie englisch sind, voller unvorhergesehener Wendungen und Wortwitz. Die Zuschauer waren begeistert, forderten Zugaben und machten sich, in der Gewissheit, von den Wellküren gerettet zu werden, zufrieden auf den Heimweg.

(Schwäbische Zeitung vom 02.08.2009)

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