Eichstätter Kurier vom 23.01.2007
Ein deftiges Highlight der Kabaretttage
Die Wellküren gastierten mit ihrem neuen Programm im restlos ausverkauften Alten Stadttheater
Von Walter Buckl
Eichstätt (EK)
Sturm auf Stoibers Posten, Schlammschlacht um Horst Seehofer, wabernde Gerüchte und wilde Querelen aus Wildbad Kreuth – für Kabarettisten bot die vergangene Woche eine Steilvorlage nach der anderen. Die Wellküren, das laut Jury des Ernst-Hoferichter-Preises „einzige Hardcore-Stubenmusik- Terzett“ in Bayern, brauchte in ihrem neuen Programm „Stubenmusik macht süchtig“ nur beherzt zuzugreifen – und das Publikum im völlig ausverkauften Alten Stadttheater hatte am Samstag seine helle Freude daran. Seit 20 Jahren touren die drei Wellküren kreuz und quer durch die Lande. Vor knapp zwei Jahren stieg Schwester Vroni aus, Nachfolgerin wurde die stoische Bärbi („die Diplom- Sozialpädagogin“), die nun mit der mal sarkastischen, mal lakonischen Burgi und der quirligen Moni durch die Lande zieht.
Knallhart beziehen die drei Kult-Kabarettistinnen politisch Stellung und schießen eine Pointe nach der anderen ab – gelegentlich auch unter der Gürtellinie. Insbesondere Noch-Landesvater Edmund Stoiber („A Job als Botschafter in der Türkei ist für den oallerweil no drin!“) und Landwirtschafts- Minister Horst Seehofer bekommen dabei ihr Fett ab. Oder CSU-Generalsekretär Markus Söder, der – nicht eben appetitlich – als „Schneck“ dargestellt wird, welcher dem Ministerpräsidenten in eine gewisse Körperöffnung kriecht – „und nun geht dem Parasiten der Wirt flöten!“
So mancher Wirtschaftsbetrieb wird aufs Korn genommen: Legendär ist die Fehde der Familie Well mit einer
Brauerei, auch wieder im neuen Programm: Wenn im Garten Schneckenzaun und Schneckenkorn versagen, dann gibt’s ein „Zaubermittel“: „Schütt’s einfach a Warsteiner in den Garten nei – der Schneck geht vo’ dem Blembl sofort ei’!“ A propos Gartenarbeit: Im O-Ton werden Edmund Stoibers legendäre Worte über sein Wirken im Garten eingespielt - weil der Landesvater darin ja durch die Beete spaziert und dabei „hin und wieder eine Blume hinrichtet“. Das Sterben der Robben-Babys und des Regenwaldes werden mit kontrastiv zum Thema daherkommenden fetzigen Rhythmen bedauert, der „Bärentöter“ Schnappauf und die Österreicher werden durchgehechelt (und ÖDP-Chef Willi Reinbold in der ersten Reihe von der Moni für einen solchen gehalten – dafür aber mit einem Weißbier entschädigt), und Angela Merkels Mode wird karikiert: Beim Papstbesuch in München soll sie tatsächlich einen Rock statt des Hosenanzugs angehabt haben. Darauf Burgi: „Aber nein, Moni, des war doch der Papst…!“ Auch Spontaneität beweisen die Wellküren: Als im Publikum ein Handy läutet, unterbricht sich Moni: „A gehn’s, hebn’s doch ab – soll mia so lang ’nausgeh’n…?“
Deftig und derb reflektieren die drei Schwestern, wen sie gern beim Strohdreschen vor sich liegen hätten: Otti Fischer wegen seines Werbe-Engagements, Bischof Mixa wegen seiner Haltung in der Ökumene („der g’höret verdroschen – in Gottes Namen!“), Präsident Bush – und Genmais-Befürworter Seehofer.
Neue Versionen bekannter Schlager sind zu hören („Wochenend’ und Sonnenschein – und dann mit dir ins Altersheim ...“), und der Osram-Mitarbeiter Wolfgang und die Bürofachkraft Lisa werden auf die Bühne geholt, wo sie tänzerisch eine gute Figur machen, während der „Anderl“ aus Pfünz („Wenn’s geht – bitte intelligent schauen!“) als Nicht- Eichstätter dort nicht zum Zuge kommt. Zwei Zugaben runden ein Programm ab, bei dem kein Auge trocken blieb: Derb war’s, deftig war’s, musikalisch virtuos und insgesamt ein Highlight der Kabaretttage!
