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Augsburger Allgemeine vom 5. Oktober 2009

Drei Schwestern retten Bayern

Krumbach (hli) - Krumbach wird wieder Kreisstadt und Kneippkurort obendrein. Doppelt beschwingt konnten die Mittelschwaben nach dem grandiosen Auftritt der „Wellküren“ in der Hauptschule nach Hause gehen: im Ohr diese schöne Prophezeiung und die finale Stubenmusik, bei der die drei Well-Schwestern von ihrer 90-jährigen Mutter an der Zither begleitet worden waren. Stubenmusik sei ohnehin das Allheilmittel schlechthin, war den Besuchern im Laufe des Abends mehrfach eingeimpft worden.

Also heile Welt? Davon konnte zuvor keineswegs die Rede sein, denn die Wellküren mischten ihr Publikum ordentlich auf und praktizierten scharfzüngig-bissig den Rundumschlag. Nichts und niemand kann sich sicher fühlen vor dem ätzenden Spott der drei Damen aus „Oberschweinbach“: die Krumbacher nicht, die Politiker, die Banker, die Geistlichen, der FC Bayern München oder TV-Moderator Waldemar Hartmann. Aber natürlich, wer so dick Farbe aufträgt, der holt die Lacher auf seine Seite, gleichzeitig tauchen der Humor und die Musik jede Kritik und jeden Spott in ein milderes Licht.

Schauriger Abgesang

Welch ein Kontrast zwischen der letzten Stubenmusik des Krumbacher Auftritts und dem unmittelbar davor platzierten schaurigen Abgesang auf Bayern! Schon die freche Parodie des einleitenden Textes zum „Königlich-Bayerischen Amtsgericht“, untermalt von der Filmmusik „Spiel mir das Lied vom Tod“, ließ Schlimmes erwarten. Richtig, die todbringende Seuche „Morbus franconis pauli“ hatte Bayern vor der letzten Landtagswahl heimgesucht. Als dann die CSU-Verlierer beim historischen 43,6-Prozent-Tief aus den Trümmern der Staatskanzlei gerufen werden, intoniert Moni Well auf dem einsaitigen Trumscheidt die bekannte Mundharmonika-Melodie als ein das Trommelfell der Hörer folterndes und die Gedärme umdrehendes Ungeheuer. Bayern, so die letzte Botschaft der Wellküren, ist nur zu retten, indem man alle über 60-jährigen Kabinettsmitglieder tötet.

Knackige Polit-Satire

Die Rettung Bayerns zog beim Programm „Beste Schwestern“ inhaltlich den roten Faden, musikalisch bildete die Stubenmusik die Klammer zwischen den einzelnen Nummern. Wenn eine Frauenbeauftragte, eine Diplom-Sozialpädagogin und eine Verkäuferin von Mikrofasertüchern den Freistaat zu alter Größe führen wollen, dann sind tausendfältig Ansatzpunkte für die knackige Polit-Satire geschaffen. Ein ironisch-funkelnder Kosmos tut sich auf: Für Depression ist hier kein Platz, den überlassen die Wellküren getrost Angela Merkel. Wenn denn überhaupt schon lamentiert werden soll, dann soll es der ganze Saal tun, als „Meijo“-Dreigesang aus 500 Krumbacher Kehlen, von der Bühne aus dirigiert und mimisch kommentiert, ein Hauptspaß des Abends. Wo selbst noch das Lamentieren schön ist, da ist gut sein. Und wenn den Deutschen nachgesagt wird, sie nähmen die Dinge zu ernst, sie neigten zum Schwarzmalen, dann sei ihnen nicht nur die Stubenmusik, dann sei ihnen der Witz-Ironie Selbstironie-Kurs der Wellküren empfohlen. Damit ließ sich Deutschland retten, oder eben wenigstens Bayern.

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Zitat

Mutig ist, auch im neuen Programm, vor allem ihre Schlichtheit: Auf Floskeln und Flausen, Show und Co. können die Wellküren ganz gut verzichten. ‘Wir sind so, wie wir sind - und so sind wir wer’ heißt ihre Botschaft, die eben gar keine sein soll. Nur deshalb kann ein solcher Auftritt in einem solchem Saal glücken. Und allein deshalb wünscht man sich noch viele Frauentage.

(Penzberger Merkur im März 1995)

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