Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung vom 22.Januar 2004

Die Supremes der Stubenmusi

Kabarettistisch potent: Die “Wellküren” erhalten den Ernst-hoferichter-Preis

“A Stubnmusi“, sagen die drei Frauen da vorne auf der Bühne, “ist die beste Empfängnisverhütung. Das haben unsere Eltern immer gesagt, und die müssen¹s wissen.“ Es handelt sich bei dieser Aussage ganz unzweifelhaft um Ironie. Nicht nur, weil man das von einer Kabarettgruppe wie den Wellküren erwarten darf und nicht nur, weil sich die legendäre Musikantenfamilie Well eben aus zwei Eltern und der stolzen Zahl von 15 Kindern zusammensetzt.

Sondern auch, weil gerade die Stubnmusi eine ganz entscheidende Mitschuld daran trägt, dass der voll besetzte Saal im Literaturhaus an diesem Dienstagabend einer besonderen Empfängnis beiwohnen darf: Die Wellküren empfangen den Ernst-Hoferichter-Preis aus der Hand von Oberbürgermeister Christian Ude.

Der, so steht zu vermuten, ist eigentlich längst selber scharf auf diesen Preis, den er momentan aber nicht kriegen kann, weil er selbst in der Jury sitzt. Anders ist es kaum zu erklären, warum Christian Udes Begrüßungsrede jedes Jahr wieder dermaßen vor Witz, Ironie und Weltläufigkeit (die wichtigsten Preiskriterien) sprudelt, dass die darauf folgenden Laudatoren sich regelmäßig schon zu Beginn vor lauter Schreck dafür entschuldigen, wie langweilig ihre Ansprache im Vergleich dazu werde und dass man gegen einen solchen Vorredner nur abstinken könne.

Auch Kabarettist Georg Ringsgwandl sieht sich dazu genötigt und sagt, er verfolge eher einen “trockenen, wissenschaftlichen Ansatz“, um dem Phänomen Wellküren auf die Spur zu kommen. Leicht sei das nicht: “Mit einem einfachen Doktortitel tust du dir da hart.“ Riesenerfolge im ganzen Land, “sogar bei Ober-, Nieder- und Nebenpfälzern“, und das trotz praktisch null Mediencoverage durch den Bayerischen Rundfunk: So etwas sei auch von einem versierten Kommunikationsfachwirt nur schwer zu erklären.

Ist¹s das Rollenmodell “Girls Group“, sind die Wellküren vielleicht so etwas wie die bayerischen Bangles, die alpenländischen Supremes? Kann auch nicht sein, sagt Ringsgwandl, denn: “Schwarz sind sie nicht.“ Letztlich greife wohl nur ein Erklärungsansatz halbwegs ­ ihre große kabarettistische Potenz, ihr musikalisches Gewicht gebe den Ausschlag.

Ringsgwandl: “Von diesem Gewicht her san die Wellküren nämlich so etwas wie der Max Strauß, bloß nicht so depressiv ­ und obendrein noch steuerlich sauber!“

Den Preisträgerinnen ­ Moni, Vroni und Burgi Well ­ obliegt es dann, diese These zu untermauern. Was ihnen eindrucksvoll gelingt. Ob “La Paloma“ auf selbst gebastelten “Nonnentrompeten“, ob Jazzlandler mit Gitarre, Tuba und Saxofon, ob altbairische Moritat, in der “die Wildererin“ mit “der Förstererin“ aneinander gerät und schließlich “die Gottin“ um Vergebung der Sünden bittet ­ das Publikum klatscht begeistert oder kugelt sich vor Lachen.

Womit wiederum zwei Thesen des Oberbürgermeisters bestätigt werden. “Frauen sind an sich schon interessant“, hatte Ude zu Beginn unter Beifall festgestellt, “Schwestern auch, und zwar nicht nur als Schwestern ihrer Brüder.“ Womit er natürlich auf die Biermösl Blosn anspielte. Und dann habe an den Wellküren schon deshalb kein Weg vorbeigeführt, weil man wegen gesunkener Zinserträge heuer nur einen Preis ­ nicht zwei oder drei wie sonst ­ vergeben konnte und zugkräftige Preisträger brauchte, die einen Saal alleine unterhalten können. Dieses Kalkül ist auf das Prächtigste aufgegangen.

FRANZ KOTTEDER

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Zitat

Die Wellküren sind ein Bühnenereignis. Harmonisch, durchschlagend, ergreifend ehrlich. Wer sonst bietet einen solchen Dreiklang?

(Fürther Nachrichten vom 23. Juli 2008)

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