Pressestimmen

Abendzeitung vom 20. Januar 2004

Die Läster-Schwestern

Heute bekommen die “Wellküren” den Hoferichter-Preis verliehen

Weil der Joseph “a guada Mo” war, einer, der alles glaubte, was ihm die Frau auftischte - deshalb sind die Wellküren in ihrem Heimatort Oberschweinbach im Verein der Josephsverehrerinnen. Respektlos emanzipiert nehmen Moni, Vroni und Burgi eigentlich alles in den Mund, watschn heiligste Respektspersonen ab (“Wir brauchen dich wie der Papst sein’ Schwanz: Kaiser Franz”), spucken mit Unschuldsengerl-Miene und harmonischem Dreigesang Gift und Galle, und das Deftigste schmeckt grad gut genug.

Mühelos schaffen sie nebenbei den Sprung von groovigem Jazz-Sound mit Tuba zum bayerisch-gscherten Traditional: “Mei Bua macht ma koa Freid, wei’s hintn und vorn feiht.“ Warum Wissenschaftsminister und erklärter Wellküren-Fan Thomas Goppel sie für seinen Wahlkampf engagieren wollte, konnten sich die Frauen nur damit erklären, “dass er wahrscheinlich noch nie bei uns war”, und lehnten dankend ab. Heute abend bekommt das Kabarett-Trio 18 Jahre nach den Brüdern, der Biermösl Blosn, und ebenso langer Bühnenerfahrung im Literaturhaus von OB Ude den Ernst-Hoferichter-Preis verliehen.

Die ganze Familie ist erklärtermaßen harmoniesüchtig. “Drum san mir Frauen worden, damit’s keine Konkurrenz gibt.“ Zu fünfzehnt insgesamt sind die Well-Geschwister aufgewachsen, unter einem strengen aber hochverehrtem Vater, der im Dorf Schule und Chor leitete. “Das Erziehungsmittel unserer Eltern war die Volksmusik. Damit wurde die Familie zusammengehalten. “Seit den Anfangsauftritten im MUH, Münchens erster Kleinkunstbühne, hat sich bei den Wellküren einiges geändert: Die Verwandten sind mittlerweile aus der Pflicht entlassen, den Zuschauerraum zu füllen. Bei den Volksmusiktagen im Fraunhofer ist der Saal restlos ausverkauft. Die Unbedarftheit ist weg und mit der Popularität auch der Druck gewachsen. Jetzt spielen die Wellküren aus Prinzip keine Premieren mehr, sondern erweitern ihr Programm schrittweise.

Aber manches ist auch gleich geblieben. Das lüstern-flinke Bettlmandl auf der neuesten CD “Das Mensch” war schon von Anfang an im Programm, das Lied vom Birnbaum mit der Wellküren-typischen erotischen Landwirschaftsmetaphorik haben sie schon als Kinder mit dem Vater einstudiert. Damals noch unschuldig-unwissend, wovon überhaupt die Rede ist. Heute drehen sie eigenhändig die hundsgemeinen Gstanzl von Männern über Frauen um und bringen mit ihrem Charme gesetztere Männer dazu, sich auf der Bühne mit einem Bauchtanz bloßzustellen.

Bayerisch ist erotisch, befinden die Läster-Schwestern alle einhellig und HB-rauchend. Und dass Emanzipation im Kopf anfängt. Tabus gibt’s erstmal gar keine, abgesehen von harmlosen Kirchen- und Küchenliedern. Selbst der missratene Nachwuchs wird samt Erzeuger abgestraft: “Der Hausarzt meint, vielleicht war’s schlechter Samen. Von meiner Seite aus war’s jedenfalls ein frisches Ei.“

Bei so viel ungebremster Scharfzüngigkeit - werden diese Frauen überhaupt noch rot? Vroni, “die schöne Seele”, schon bei der Frage, die bissige Burgi “beim Lesen von Queris Bauernerotik vorm Schlafengehen” und Moni: “Diese Stars im Dschungel - das treibt einem die Schamesröte ins Gesicht.“ Arg drahtig sind die drei feschen Fliegengewichte im Dirndl anzusehen. Aber an Pfeffer, Humor und Bühnenpräsenz “feiht hintn und vorn nix”.

MIRIAM HESSE

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Zitat

Das Programm mit dem die schon legendäre Gruppe jetzt ihr Unterföhringer Publikum begeisterte, war zum größten Teil neu. Es stammt aus der CD “Wellküren Forever”, die am 1. Dezember veröffentlicht wird. Mit dem gleichnamigen Programm werden die Musikkabarettistinnen im Jahr 2007 unterwegs sein. Das Programm der Wellküren würde man im Weinbau “Ausbruch” nennen und damit folgende Eigenschaften ausdrücken: saftig, erlesen und an Qualität kaum zu überbieten. Fügt man noch hinzu: erfrischend, respektlos, hinterkünftig, manchmal auch schrill, rotzfrech und mitunter ein wenig frivol, so hat man die Mischung charakterisiert, der die Schwestern der “Biermösl Blosn” ihren Erfolg verdanken.

(Süddeutsche Zeitung vom 29. September 2006)

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