Pressestimmen

Mittelbayerische Zeitung vom 3. August 2008

Dialekt-Missionar liebt Papst – und die Wellküren

Sepp Obermeier ehrt Mundartbotschafter mit
Sprachwurzel-Preis. Benedikt XVI. hat ihn schon. Nun
sind die frech-bissigen Wellküren an der Reihe.

GOSSERSDORF. Von Christine Schröpf, MZ
Nein, einer wie der Kabarettist Erwin Pelzig kriegt ihn nie:
Sepp Obermeiers Sprachwurzel-Preis, vor vier Jahren
erstmals ausgelobt, um wahre Mundartbotschafter zu
würdigen. Für Pelzig sei Dialekt ein „reines Kommerzvehikel.
Er redet nur auf der Bühne fränkisch“, kritisiert der 51-
Jährige aus Gossersdorf (Lkr. Straubing-Bogen), der einer
von zehn Landschaftsverbandsvorsitzenden des
Fördervereins „Bairische Sprache und Dialekte“ ist. Die
bisherigen Preisträger sind aus Obermeiers Sicht von ganz
anderem Kaliber: Der Papst zum Beispiel, den er verehrt,
weil er auch bei Audienzen seine bayerische Mundart nicht
verleugnet. „Mia miaß ma fest boarisch redn, dass uns da
Globalisierungswind ned okonn“, freute sich Benedikt, als er
2006 in Rom die symbolträchtige Skulptur erhielt.
Die Preisträger 2008: Moni, Burgi und Bärbi Well, aus dem
oberbayerischen Biermoos, die im Alltag und auf der Bühne
über das verfügen, was in Bayern „a Goschn wia a Schwert“
genannt wird. Obermeier überreicht ihnen die Auszeichnung
am kommenden Sonntag auf dem Gäubodenfest. Man darf
schon gespannt sein, was dem frech-bissigen Trio dazu
einfällt, dass sie nun in den Fußstapfen des Papstes
wandeln.
Sepp Obermeier ist ein Sprachmissionar. „Griaß eahna“, sagt
er beim Pressetermin und bittet hinein in die gute Stube. In
seinem Haus in Gossersdorf wird kein Salonbayerisch
gesprochen, das er in Anspielung an die Münchner Bussi-
Bussi-Gesellschaft als „weiß-blau angehauchtes
Käferzeltchinesisch“ verspottet. Hier regiert die echte
Mundart, über deren Feinheiten der 51-Jährige stundenlang
erzählen könnte: Darüber, dass der Dialekt allein fürs
riechen ein halbes Dutzend Worte kennt, wie brandln, rassln
und ranzln. Allesamt so anschaulich, dass man das Gefühl
hat, der Gestank würde einem direkt in die Nase steigen.
Darüber, dass das „a“ in Bayern so unterschiedlich intoniert
wird, dass es mal glockenhell, mal dunkel und mal nasal
klingt. Darüber, dass die Muttersprache ein Gefühl der
Vertrautheit und Geborgenheit gibt.
„Ich bin kein Sprach-Ajatollah“, beteuert Obermeier. Er
kämpfe mit „an Augnblinzla“ fürs Überleben der bedrohten
bayerischen Mundart. „Es gibt 6500 Sprachen auf der Welt.
Alle 14 Tage stirbt eine davon“, verweist er auf eine Studie
der Cornell-Universität in Ithaca (New York). Die
Wissenschaftler dort haben nach seinen Worten in 42
Ländern einen fatalen Mechanismus nachgewiesen. „Wenn
zwei Sprachen in Konkurrenz miteinander ums Überleben
kämpfen, gewinnt immer die, die das höhere Ansehen hat.“
Und das Ansehen des Dialekts bröckelt, sagt Obermeier: Es
gebe Eltern, die Kindergärtnerinnen ermahnten, ihren
Sprößlingen „Standarddeutsch“ zu lernen, damit ihnen nicht
der Weg zum guten Abitur verbaut werde.
In München seien in den vergangenen 15 Jahren junge
Dialektsprecher konsequent aus Cliquen verbannt worden,
zitiert er Studien des Münchner Dialektforschers Dr.
Bernhard Stör. Obermeier fordert eine Umkehr ohne harte
Diktate. „Man soll sich im druckreifen Standarddeutsch
ausdrücken können, man soll möglichst viele
Fremdsprachen lernen – aber nicht auf Kosten des Dialekts.“

Nächste Pressestimme: Wellküren bekommen Sprachwurzel
Vorige Pressestimme: Lang lebe Stubenmusik

Artikelübersicht

Zitat

Sie gehören derzeit zu den Besten der deutschen Kleinkunst-Szene: Die Wellküren. In Kissing bewiesen die Schwestern ihre Klasse.

(Friedberger Allgemeine v. 25. Juli 2000)

Alle Pressezitate