TAZ vom 15.01.2007
Das ist wie beim kranken Papst
Moni Well, bayerische Volkssängerin, über den rapiden Niedergang ihres Ministerpräsidenten, sein Frauenbild, Parasiten - und darüber, wo er sich Trost holen könnte
taz: Moni, jetzt ist die Anarchie ausgebrochen in Bayern. Das freut dich und deine Geschwister - die Wellküren
und die Biermösl Blosn - doch sicher?
Moni Well: Vom quasi beruflichen Standpunkt aus betrachtet ist das nicht so einfach. Jeden Tag ändert sich die Lage,
ein Ereignis jagt des andere.
taz: Euer Kollege Bruno Jonas, der auf dem Nockherberg den Bruder Barnabas gibt, ist auch schon ganz
verzweifelt. Der meint, man kann diese Posse um Pauli und um Stoiber gar nicht mehr weiter zuspitzen.
Da hat er recht, und das dreht sich immer schneller. In ein oder zwei Wochen hat sich das Thema Stoiber erledigt.
taz: Aber ist es nicht auch schade um ihn, der uns 13 Jahre lang regiert hat?
Na ja, leidtun kann er einem grad schon, aber andererseits hat der ja selber genug mitgemischt in den letzten Jahren.
Der hat überall seine Marterl [Wegkreuze, d. Red.] stehen in Bayern, ob Waigel oder Sauter. Aber wir sind in der Tat
jetzt schon so weit, dass wir fast keine Witze mehr machen wollen über ihn, des ist wie beim kranken Papst. Wobei,
gestern waren wir noch in Bodenmais, im Bayerischen Wald, da haben wir ihm dann doch noch ein Lied gesungen -
quasi den Abgesang.
taz: Und wie hört sich dann der aktuelle Abgesang der Wellküren an?
Des Lied heißt “Werd scho wieder”. Verraten und verlassen sitzt er in der Staatskanzlei, und die einzige Hilfe, die ihm
bleibt, ist, dass er nach Rott am Inn flieht. Und dann kniet er dort am Grab vom Franz Josef Strauß nieder, und der
meint zu ihm: Des werd scho wieder, Edi, a mit der Mistpritschn [unangenehme Menschen weiblichen Geschlechts;
d. Red.] aus Fürth …!
taz: Wo du schon bei den Frauen bist: Was denkt ihr jetzt über seine Frau?
Sein Frauenbild erschöpft sich bei Muschi und Uschi. Die Uschi Glas ist auch noch eine Frau für eahm [ihn; d. Red.],
aber ansonsten tut er sich sehr schwer. Angela Merkel oder die Renate Schmidt, die er gern als Krampfhenna [mental
meist indisponiertes Huhn; d. Red.] bezeichnet hat, oder jetzt die Gabi Pauli sind für ihn wirklich Wesen von einem
anderen Stern. Zu denen hat er keinen Zugang. Dann gibt’s natürlich noch einen Sonderfall, die Monika Hohlmeier,
aber des ist kei Frau, des ist die Wiedergängerin vom FJS. Des wär auch der Ratschlag für seine letzten Tage jetzt,
sofern er mit Achtung abtreten will: Er sollte nichts mehr über Frauen sagen.
taz: Man versteht ja die Geschwindigkeit des Sturzes kaum. Wieso dreht sich’s denn so schnell?
Stoiber wird keineswegs von außen angegriffen oder demontiert, er droht von innen aufgefressen zu werden. Von
dene, die unsere Brüder [die Biermösl Blasn; d. Red.] und mia jahrelang besungen haben, die eahm in sämtliche
Körperöffnungen gekrochen san. Bedenkt man, was der arme Mo [Mannsbild, d. Red.] alles in sich hat, so muss er
todkrank sein. Allein die Vorstellung, alle Parasiten verlassen nach getaner Arbeit jetzt ihren Wirt und werden
freigesetzt - nicht auszudenken …
taz: Und die Nachfolger, Beckstein, Herrmann …
Genau des san die Parasiten, die sich dann unkontrolliert ausbreiten können.
taz: Welcher von denen wäre dir lieber?
Im tiefsten Bayern ist des egal. Wenn man jemand hinstellt und CSU draufschreibt, dann wird er gewählt. Das ist
wirklich wurscht. Für mich persönlich ist des schwierig, i mag an Beckstein ned und den Huber a ned.
taz: Und aus kabarettistischer Sicht …
Der Huber, ganz klar, weil der ein Bayer ist und der Beckstein eben nicht.
taz: Abgesehen vom Ministerpräsident, wie geht’s weiter mit dem Freistaat?
Jetzt stirbt erst einmal der Wirt, und die Parasiten bekämpfen sich - und dann muss man sagen, auch Hofnarren - die
Bayern-SPD - haben ja auch manchmal eine Chance.
INTERVIEW: MAX HÄGLER
taz Nr. 8175 vom 15.1.2007, Seite 3, 102 Interview MAX HÄGLER
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