Dachauer Nachrichten / Münchner Merkur vom 10. März 2007
Boshaftes im Landlertakt
Wellküren spielen am Frauentag im Ludwig-Thoma-Haus
Dachau - Die Männer sind mittlerweile so emanzipiert, dass sie sich sogar in die Höhle des Löwen oder besser gesagt, der Löwinnen, trauen. Beim Auftritt der Wellküren, den die Dachauer SPD zum Internationalen Frauentag im Ludwig-Thoma-Haus organisiert hat, war das starke Geschlecht überraschend gut vertreten.
Das Programm der Wellküren sei im Weinbau mit dem “Ausbruch” zu vergleichen, sagte SPD-Ortsvorsitzende Petra Böhm in ihrer Ankündigung: Saftig, erlesen und an Qualität kaum zu überbieten. Darüber hinaus sind die drei Schwestern erfrischend, respektlos, schrill und auch ein wenig frivol. Das beste Mittel gegen Depressionen, Geburtenrückgang und Übergewicht sei immer noch die Stubenmusi, meint das musikalische Trio, das neben Harfe, Hackbrett und Gitarre auch Tuba, Saxophon, Quetsch`n und die Nonnentrompete, ein zum Saiteninstrument umgebautes Blasinstrument, spielt. Ihre boshafte Mission tarnen die Wellküren im Landler- und Polkatakt oder im volkstümlichen Dreigesang, verquicken bayerischen Nonsens mit schwungvollen Seitenhieben auf Politik und Gesellschaft. Vor allem Stoiber würden die drei giftigen Schwestern am liebsten mit dem Dreschflegel ausklopfen, aber auch Angela Merkel, George W. Bush und Bischof Mixa, der die Ökumene scheut wie der Teufel das Weihwasser.
Im Heimatdorf Oberschweinbach konnte Burgi als Frauenbeauftragte drei Frauenparkplätze neben der Kirche und ein absolutes Kopftuchverbot durchsetzen. Letzteres sei zwar bei den “alten Weibern” auf völliges Unverständnis gestoßen, aber man habe den Dorfbewohnerinnen geraten, stattdessen ein Käppi aufzusetzen. Moni ist die quirligste im Trio und vertreibt beim Home-Shopping das Putztuch der Marke Blue Wonder, das sich auch als Schweißtuch oder Brustvergrößerer im Dirndlausschnitt bewährt. Die dritte, Bärbi, ist als Diplom-Sozialpädagogin zuständig für die Kinder- und Jugendarbeit in Oberschweinbach. Sämtliche Einrichtungen, von der Schaukel bis zum Beachvolleyballplatz, sind vorhanden, leider aber keine Kinder. Weil Handlungsbedarf herrscht, startet das Trio mit dem Burschenverein einen präkoitiven Geburtsvorbereitungskurs und mit dem Pfarrer eine mobile Empfängnisvorbereitung. Schließlich lautet die Devise: Des wird scho wieder! Es geht ja schon aufwärts. Wenn auch nur mit der Mehrwertsteuer, der Erdtemperatur und den Gas- und Ölpreisen.
Vielleicht hilft ja beim Aufschwung das weißblaue und schwarz-rot-goldene Patriotendirndl, in dem die Wellküren in bissigen Gstanzl`n die bayerischen Heiligen zur Rettung aus diversen Miseren besingen. Da so ein Patriotendirndl allerdings keinesfalls länger als eine halbe Stunde auszuhalten ist, wechselten die Schwestern es rasch mit dem “kleinen Schwarzen”.
Stubnmusical mit Beckstein und Pauli
Darin führten sie voll herrlich schwarzem Humor ein Stubnmusical in drei Akten auf: mit Becksteins Gendarmerie, der königlich bayerischen SPD und der tückischen Krankheit “Morbus Frankonia Pauli”, die sich ganz tief in König Edmund hineingefressen hat. Als es abschließend in der Holledau zum Showdown kommt, winselt auf den Nonnentrompeten die gruselige Melodie “Spiel mir das Lied vom Tod”. Aber keine Sorge, die Schwestern versichern: Des werd scho wieder!
DR. BÄRBEL SCHÄFER
