Fürther Nachrichten vom 18.01.2010
Systemanalyse auf unvergleichlich schwesterliche Art
Mission möglich: Die herzerwärmenden und saufrechen Wellküren mustern in der Comödie mit der Mistgabel aus Systemanalyse auf unvergleichlich schwesterliche Art
Mission möglich: Die herzerwärmenden und saufrechen Wellküren mustern in der Comödie mit der Mistgabel aus Systemanalyse auf unvergleichlich schwesterliche Art
Wo selbst noch das Lamentieren schön ist, da ist gut sein. Und wenn den Deutschen nachgesagt wird, sie nähmen die Dinge zu ernst, sie neigten zum Schwarzmalen, dann sei ihnen nicht nur die Stubenmusik, dann sei ihnen der Witz-Ironie-Selbstironie-Kurs der Wellküren empfohlen. Damit ließe sich Deutschland retten, oder eben wenigstens Bayern.
Überhaupt die Texte: Sie sind urbayerisch, selbst wenn sie englisch sind, voller unvorhergesehener Wendungen und Wortwitz. Die Zuschauer waren begeistert, forderten Zugaben und machten sich, in der Gewissheit, von den Wellküren gerettet zu werden, zufrieden auf den Heimweg.
Ihre Mission ist klar: Moni, Bärbi und Burgl wollen Bayern retten. Die Voraussetzungen für eine Politkarriere sind, so sagen sie selbst, gut: Denn die Wellküren sind hinterfotzig und intrigant – vor allem aber auch (stubn)musikalisch vom Feinsten.
Zusmarhausen Bayerns „einziges Hardcore-Stubenmusik-Terzett“ (Jury Ernst-Hofrichter-Preis) hat am Samstagabend in Zusmarshausen sein Publikum begeistert.
“Wellküren Forever”, heißt das aktuelle Programm, und diesem Wunsch kann man sich nur anschließen. Seit 22 Jahren tourt das Trio nun durchs gesamte Land und fegt dabei mit einer Kraft über die Bühnen, dass das Wisching Well jedes Mal im Anschluss zum Einsatz kommen könnte. Im Handumdrehen werden auf der Bühne aus knappen Dirndl elegante Abendkleider, Dialoge schlagen Salti, und zum krönenden Abschluss gibt es eine bayerische Polittragödie in Form eines Stubn-Musicals.
So ist es nach “Wellness”, dem wirklich großartigen letzten Programm der Well-Frauen nicht verwunderlich, dass sie aus Anlass des Jubiläums den Sprung ins kalte Wasse noch ein wenig aufgeschoben haben und im Moment mit einem “Best of”-Programm auf Reisen sind. Gut so, denn nicht eine einzige Sekunde der rund zweistündigen Bühnenshow erscheint wiederholt, gar überholt, geschweige denn langweilig.
(Süddeutsche Zeitung v. 29./30. Juni 2002)
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